Hintergründe - Philosophie - Geschichten
aus der Kampfkunst


Terence Webster Doyle

Geschichten von T.W. Doyle

Geschichten von und für Kampfkünstlerinnen und Kampfkünstler bzw. alle Menschen, die sich mit dem Weg des Kriegers / der Kriegerin auseinandersetzen wollen


Die Schlacht der Wölfe
Michael André-Korbl (in Anlehnung an indianische Überlieferungen)

Ein alter Cherokee erzählte seinem Enkel über eine Schlacht, die sich in seinem Innern abspielt.
Er sagte: "Mein Sohn, es ist ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine ist böse und besteht aus Zorn, Neid, Leid, Ablehnung, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Ärger, Minderwertigkeit, Lügen, falschen Stolz, Überlegenheit und Ego.
Der andere ist gut und besteht aus Freude, Frieden, Liebe Hoffnung, Heiterkeit, Bescheidenheit, Güte, Wohlwollen, Einführungsvermögen, Großzügigkeit, Wahrheit, Anteilnahme und Glaube."
Der Enkel dachte eine Minute darüber nach und fragte dann seinen Großvater: "Welcher Wolf gewinnt?"
Der alte Cherokee antwortete schlicht: "Derjenige, den ich füttere."


Das DOJO
Michael André-Korbl (in Anlehnung an Terence Webster Doyle, Karate - Die Kunst des leeren Selbst)

Das DOJO ist ein Übungsraum für japanische Kampfkünste. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet das Wort Dojo "Ort des Weges" oder "Ort des Erwachens". Wenn wir im Dojo Kampfkunst üben, wird ein Rahmen festgelegt, in dem wir unsere Form gestalten und schulen. Diese Begrenzung des Raums setzt auch unserem Handeln bestimmte Grenzen und bringt dadurch wiederum Freiheit innerhalb dieser Beschränkung. Wenn wir eine bestimmte Definition zur Verfügung haben, können wir forschen und entdecken. Sie gibt uns die Möglichkeit, Bewegung wahrzunehmen, Beobachter dieser Bewegung zu sein. Erforschen ist erwachen, es ist Einsicht in das Wesen der Dinge, denn unser Leben hat bestimmte Grenzen, und seine Ordnung geschieht auf Grund der Gesetze der Natur. Wenn wir das erkennen, befinden wir uns in Übereinstimmung und Harmonie mit dem Gang der Welt. Wenn wir das Dojo betreten, können wir die Ordnung und die natürliche Übereinstimmung mit der Seinsweise der Dinge spüren. Das ist weder Resignation noch blinde Anpassung, die sich fraglos fügt. Das Dojo muss die natürliche Ordnung widerspiegeln und dadurch den Schüler frei machen.

Neben der Struktur bietet das Dojo auch andere Qualitäten:

  • Sicherheit - hier darf und kann ich ohne Gefahr Fehler machen und lernen.
  • Respekt - hier werde ich geachtet und respektiert als die Person, die ich bin.
  • Geborgenheit - hier finde ich emotional und sozial Unterstützung durch die Schüler und Lehrer.
Die Idee und Bedeutung des Dojo ist meines Erachtens nicht an einen Ort gebunden. Die Werte, die zur Schaffung eines solchen Raumes notwendig sind und die daraus hervorgehen lassen sich übertragen auf den Umgang mit anderen Menschen in der Kampfkunst, ja im Leben selbst.

Ein Krieger, eine Kriegerin hat diese Werte längst verinnerlicht und lebt sie. Sie sind ein Bestandteil der Persönlichkeit, die sich zum Ziel setzt, ein besseres Leben zu führen:

"Wo immer ich hingehe ist jeder ein bisschen sicherer, weil ich dort bin"
"Wo immer ich bin hat jeder in Not einen Freund"
"Wann immer ich nach Hause komme ist jeder glücklich, dass ich dort bin"


Im Original:

THE WARRIOR CREED
By Robert L. Humphrey

Wherever I go,
everyone is a little bit safer because I am there.

Wherever I am,
anyone in need has a friend.

Whenever I return home,
everyone is happy I am there.

"It's a better life!"