Nachfolgend findet ihr Berichte und Artikel aus dem Infoblatt
Das Shinden No Michi Festival 2004 vom 09. - 11. Juli 2004
Gedanken zu Shinden No Michi aus aktuellem Anlaß
Erlebnisbericht Japan
Shingon-Buddhismus in Mainz
Behandlung von Schußverletzungen nach Jimmy
Zerylnick
TAIKAI 1998 Levico Terme, Italien
"Flexible Weapons", ein Workshop mit Brin Morgan in
Bonn
Bericht über das Seminar mit Bud Malstrom
(22./23.11.97, Landgraaf, NL)
Die Bedeutung des Ninja im 20. Jahrhundert
Über leere Schalen und schaale Lehren I
Tips, die Dein Training frisch halten
Bodyguard: Beschützen einer dritten
Person
Der NINJA, der durch die Luft geht
Gedanken zu Shinden No Michi aus aktuellem
Anlaß
Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz
Hallo liebe Freunde! Ich nehme das jetzige Festival zum
Anlaß, ein paar Worte an Euch los zu werden, die mir schon
seit einiger Zeit am Herzen liegen. Shinden No Michi. Wenn ihr
euch erinnert: wir haben diese Idee 1992 geschaffen, um Ninpo von
Herz zu Herz zu lehren, weiter zu vermitteln und auch zu leben.
Dieser Kreis ist nicht reglementiert durch irgendwelche Regeln,
die jemand aufgestellt hat, sondern hat eigentlich nur zum Ziel,
Ideen auszutauschen, Techniken zu üben, gute Lehrer zu
organisieren, den Dojos Hilfe anzubieten, was Strukturen wie
Prüfungsordnungen, Techniksammlungen, Verständnis von
Prinzipien angeht und nicht zuletzt Freundschaften zu pflegen. Es
war schon immer eine nie eingeschränkte Freiheit über
die Wahl der Lehrer gültig. Was wir jedoch immer
gefördert haben, ist eine kritische Einstellung zu allen
Lehrern und ihren Statements. Die Zeiten seit damals haben sich
geändert. Unser erster Lehrer (Stephen Hayes) geht eigene
Wege. Bud Malmstrom hat sein Dojo geschlossen. Wir haben in
Europa mittlerweile eine Anzahl von guten Lehrern, die gute
Techniken vermitteln und Einblick in ihre Erkenntnisse geben. Das
Angebot ist so groß, daß viele gar nicht mehr wissen,
wo sie zuerst und überhaupt hingehen sollen. Durch das
Überangebot von Lehrgängen von Brin Morgan z. B.
überlegen sich viele, ob sie noch zu Lehrern wie Bud
Malmstrom aus Übersee gehen sollen. Zumal Brin scheinbar
billiger ist und gute Lehrgänge anbietet. Das ist sicher
jedem seine eigene Entscheidung. Jeder muß seinen Lehrer
suchen und finden. Was ich jedoch sehr schade finde, ist,
daß bei diesen ganzen "rationalen" Entscheidungen und
Vorlieben für bestimmte Lehrer unsere Idee untergeht. Durch
Shinden No Michi hätten und haben wir das Forum,
unterschiedliche Erfahrungen und gelernte Fertigkeiten
auszutauschen. Niemand kann alles besuchen und lernen. Aber viele
Leute können unterschiedliche Richtungen verfolgen und sich
dann austauschen. So, wie ich es in meinem Dojo schon lang
praktiziere und eigentlich gehofft hatte, daß es im
großen Kreis von Shinden No Michi ebenfalls getan wird. Die
Gelegenheit dazu wäre z.B. das Festival, das jetzt nicht
mehr unter dem Motto eines Spektakels mit einem möglichst
prominenten und teuren Lehrer steht, sondern hier unterrichten
viele von uns, von Shinden No Michi, diese Dinge, die sie gelernt
und erfahren haben und bereit sind, weiter zu geben. Das ist
für mich die Gelegenheit, neue Dinge zu lernen, neue
Perspektiven zu erlangen, Gedanken und Ideen auszutauschen oder
einfach wieder einmal Freunde zu treffen. Es ist auch die Freude,
das mit euch zu teilen, was ich gelernt habe. Ich mache
mittlerweile seit 19 Jahren Ninjutsu und habe für mich
erfahren, daß nicht die Ansammlung der Techniken mich
weiterbringen auf dem Weg, sondern der Austausch mit anderen, die
auch suchen und lernen. Ich stelle mit Bedauern fest, daß
nur wenige ähnlich denken und vor allem handeln. Deshalb
mein Appell vor allem an die "jüngeren" Schwarzgurte,
Dojoleiter, von deren Meinung die Schüler natürlich
beeinflußt sind: Laßt euren Schülern die
Freiheit, die es euch erlaubt hat, sich dahin zu entwickeln, wo
ihr jetzt steht und gebt ihnen die Ermunterung und
Unterstützung, die sie brauchen um die Chancen dazu zu
erkennen und wahrzunehmen. So ein Festival, wie es dieses Jahr
geplant ist, bietet nicht nur die Möglichkeit des
Austausches unter den Lehrern und erfahrenen Schülern,
sondern auch die Gelegenheit für Anfänger, neue Dinge
zu lernen und die Gemeinschaft zu erfahren, die Ninjutsu
zumindest im Sinne von Shinden No Michi immer noch von anderen
Kampfkunst-Events unterscheidet. Ich möchte dies nicht
verstanden wissen als eine Kritik oder ein "ins Gewissen reden"
sondern nur als Anregung, über den den eigentlichen Gedanken
unserer Gemeinschaft neu nach zudenken und die Möglichkeiten
zu sehen, die sie uns bietet. Und ich wünsche mir einfach
mehr Offenheit gegenüber Einstellungen und Trainigsweisen
anderer. In diesem Sinne eine schöne Sommerzeit und gute
Erfahrungen auf den Lehrgängen, die ihr besucht. Ich
würde mich auch über einen gelegentlichen Kontakt oder
eine Rückmeldung zu meinem Artikel freuen.
Ninpo Ik-kan, Michael.
(Mai 2001)
Erlebnisbericht Japan Anreise Gilbert: Nach einem ewig dauernden Flug von Frankfurt über Zürich nach Tokio Narita Airport war ich sehr aufgeregt das Land zu betreten, daß mich seit früher Kindheit immer fasziniert und „beeinflußt“ hat (zumindest das was ich davon erfuhr). Japan das Land meiner (Tag-) Träume, Vorstellungen vonTugend, Ehre, Kunst und Kultur. Doch mein Hauptziel war Hatsumi Masaaki aufzusuchen um bei ihm zu lernen. Erste sprachliche Schwierigkeiten ergaben sich dann bei den Einreiseformalitäten, die aber nicht dramatisch waren. Dank der Informationen die ich von Dieter Kania und Brin Morgan erhielt, war die grobe Richtung in der ich mich begeben mußte klar. Um nach Noda Chi zu gelangen, musste ich dreimal umsteigen. Es geht auch ohne die japanische Sprache zu können, aber die paar Brocken, die ich mir angeeignet hatte, vereinfachten die Reise erheblich. Verfahren habe ich mich nicht, aber dennoch war über die ganze Fahrt hinweg eine gewisse Aufregung in mir. Samurai, Kimonos und Geishas, die auch einen großen Teil meiner Träume ausgemacht haben, begegnete ich (zum Glück?) nicht. Enttäuscht war ich deshalb nicht. Durch eine gute Vorbereitung, die auch Interviews mit Japan-Riesenden beinhalteten, wurde ich gut auf das vorbereitet, was mich hier erwartete. Eine große Kuriosität war ich nicht, eher mein großer Rucksack und meine Tasche mit Bo, Bokken usw. Aber dennoch sah ich hier und da neugierige Blicke der Fahrgäste, die nicht aufdringlich sein wollten. Dabei tat die unvoreingenommene Neugierde der Kinder ganz gut. Jemanden in die Augen sehen und anlächeln und auch ein Lächeln zurückbekommen. Der Ausblick aus dem Zug gab mir den Eindruck einer Gegend, die sich nicht auf einem hohen technischen Standard befindet. Zumindest war dies meine persönlicher Eindruck. Noda Chi unterschied sich dieser Hinsicht nicht von den Orten die ich bereits vom Zug aus gesehen habe. Alles war Zwar aufgeräumt und es flog kein Müll durch die Gegend, aber eine gewisse Erscheinung des Gebrauchs und Alters war deutlich zu sehen. Das war ein großer Pluspunkt für die Stadt. Wenn ich was nicht mag, dann sind dies ausgefeilte, sterile Bankenviertel, die nicht leben. Hier war Leben ein gemütlicher vor sich hinplätschernder Alltag. Nach kurzer Orientierung, Suche und einmal nach dem Weg fragen, fand ich Azusa`s Inn nach kurzer Zeit. Anreise Oliver Als ich dann endlich nach ca. 12 Stunden Flug in Japan landete, war ich schon ziemlich aufgeregt. Zumindest war ich etwas beruhigt, daß ich ohne Probleme die Gepäckausgabe fand. Auch den richtigen Bahnsteig nach Noda-shi zu finden, erwies sich als nicht allzu schwer. Ich saß also im richtigen Zug und Japan empfing mich mit strahlendem Sonnenschein. Die Landschaft war eher ländlich und vermittelte mir nicht den Eindruck in einem Hightech-Land zu sein. Ab und zu sah ich ein einen Tempel oder ein paar Bauernhäuser, die eigentlich dem typischen Japan-Klischee entsprachen, da sie recht klein, urig und (soweit aus dem Zug zu erkennen) lediglich aus Holz und Papier gebaut waren. Meine gute Laune erhielt allerdings einen kleinen Dämpfer, als ich beim dritten mal umsteigen feststellte, dass in diesem Bahnhof alle Stationsnamen nur in Kanji angeschrieben waren. Also stand ich erst mal ratlos rum, bis ich mich dazu durchgerungen habe, alle Kanjis auf der Wegbeschreibung mit den Kanjis im Bahnhof abzugleichen. Nach ca. 5 Minuten kam jedoch ein Japaner auf mich zu, der mich freundlich fragte: Can I help You? Das Angebot nahm ich natürlich dankend an. Er führte mich auch in die Funktionsweise der japanischen Fahrkartenautomaten ein. Schließlich kam ich in Noda-shi an, wo mich Gilbert schon erwartete. Azusa`s Ryokan Der erste Eindruck war nicht gerade vielversprechend, aber dieser relativierte sich recht schnell und wurde ins Gegenteil gewandelt. Ich erhielt ein Zimmer mit einem Bett, Nachttisch und einen Fernseher. Alles in allem sehr bunt. Zusätzlich hatte ich eine Klimaanlage, die auch gut funktionierte (zum glück, im März ist es nicht gerade warm). Die Frau die mich empfangen hatte war sehr nett und zuvorkommend und bemühte sich trotz der mangelnden English Kenntnisse mir alles zu erklären, was sie auch schaffte. Spätere Erfahrungen zeigten, daß wenn „die Japaner“ (denen ich begegnete) keine andere Sprache konnten (d.h. für sie richtig gut) wurde vermieden, mit mir Kontakt aufzunehmen. Das Haus in dem ich nun untergebracht wurde, war sehr verwinkelt und jeder Platz wurde genutzt. Es hatte sieben Räume von unterschiedlicher Größe. Ich fand heraus, daß ein Zimmer wie das meinige eigentlich für zwei gedacht war bzw. so viel wie geht. Das Haus besaß eine Waschgelegenheit, Waschmaschine, Trockner Kühlschrank und eine Mikrowelle. Aber das Bad war das beste. Vierundzwanzig Stunden am Tag heißes Wasser, das ständig erneuert wurde. Gebrauchsanweisung: Ohne Schlappen ins Bad eintreten, gründlich abseifen und duschen, dann den Deckel von der Wanne entfernen und sauber und frisch in das vierzig Grad warme wasser eintauchen und genießen. Die Wanne war nicht groß, d.h. man konnte sich nur reinsetzen aber dabei ging einem das Wasser dann auch bis über die Schultern. Ich muß sagen, es ist ein sehr angenehmes Gefühl, sich in dieser Position zu Baden und zu Entspannen. Nachdem ich mich in meinem Zimmer eingerichtet hatte, überlegte ich, was ich nun tun sollte und entschloß mich, nach einem Training zu suchen. Ein paar Adressen und Telefonnummern, die ich von Dieter erhalten habe, zeigten, daß Herr Nagase Samstags Unterricht hielt. Ich versuchte, eine andere Dame des Hauses dazu zu bewegen, für mich dort anzurufen. Also versuchte ich es wieder mit meinem „Japanisch“ und nach dem zweiten Anlauf konnte ich mich verständlich machen und sie rief insgesamt vier Nummern an, bis sie für mich die richtige fand. Herr Nagase bot mir an, mich vom Bahnhof eines anderen Ortes für das Training abzuholen und so hatte ich bereits am ersten Tag in Japan Unterricht „an der Quelle“. Training Das Training war meistens zweimal täglich, sowohl bei Hatsumi-Sensei, als auch bei anderen Lehrern. Hatsumi-Sensei unterrichtete Koppo Jutsu Shoden no Maki, also das unterste Level von Koppo Jutsu. Hatsumi hat gesagt, er unterrichtet keine Techniken von Koppo Jutsu, sondern will das Gefühl vermitteln. Jedenfalls waren wir vom Training überrascht. Wir hatten mit harten Techniken und Schlägen gerechnet, aber es waren sehr „sanfte“ Techniken. Ohne harte Blocks, vielmehr „weiches“ Aufnehmen der Angriffe. Jede Technik wurde zuerst ohne und dann mit allen Waffen ausgeführt. Der Unterricht war einfach anders. Mag sein, das es daran lag in Japan zu sein. Andererseits auch das Gefühl an der Quelle zu sitzen so viel Information wie möglich mitzunehmen. Der Unterricht bei Herrn Nagase war ein guter Einstieg. Gutes Aufwärmen und dann verschiedene Ausweich- und Kontermöglichkeiten. Nach dem Unterricht unterhielt ich mich noch kurz mit den Mitschülern. Dort erfuhr ich dann von weiteren Unterrichtsstunden am Sonntag. Sonntags gab es dann zwei Unterrichtseinheiten: Bei Soke Hatsumi und danach bei Herrn Nagato. Das Jahresthema ist KOTO-RYU. Durch einige Seminare und durch den Unterricht im eigenen DOJO hatte ich eine wage Vorstellung über KAMAE und TAIJUTSU dieser Schule. Diese Vorstellung wurde in den ersten Momenten des Unterrichts schnell und deutlich widerlegt. Die Vorstellung KOTO-RYU werde unbarmherzig auf die Knochen gehen wurde in dieser Hinsicht widerlegt aber dafür war es ganz schön anstrengend für den Kopf. Einzelheiten des Unterrichts wäre hier etwas müßig zu beschreiben und kompetent fühle ich dafür auch nicht. Ich kann nur sagen es ging um Timing, Rhythmus und KUKAN. Vor allem hatte ich dabei die ganze Zeit das Bild eines Schmetterlings im Kopf. Der Unterricht bei Herrn Nagato war dafür etwas Härter aber dennoch auch für den Kopf anstrengend. Zuerst dachte ich das daß alles zu viel ist aber nach ein paar Tagen fließen die Bewegungen wie noch nie. Aber ich hatte den Eindruck, daß viele nicht aufnahmen, was dort unterrichtet wurde. Alle blieben in ihren alten Trott. Mag sein, daß ich diesen Eindruck auch auf die Anderen machte, aber von meinem Gefühl her realisierte ich auch, was unterrichtet wurde (zumindest die physische Ausführung). Der Unterricht bei Herrn Noguchi war ebenfalls ein Erlebnis. Sehr dynamisch, aber gut nachvollziehbar und viele viele „gemeine“ Tricks. Hier wurde einem auch die Dynamik der KAMAEs, in ihrer Anwendung verdeutlicht. Herr Shiraishi machte einem die Wichtigkeit der Balance bewußt: sowohl die eigene, wie auch die des Gegners. Man darf den Unterricht nicht verkennen: sehr viele Details. Ich möchte hier nicht als der große allwissende Kritiker dastehen, aber viele in seinem Unterricht sehen nicht, was sie verfehlen. Als mein Freund eine Woche später ankam, konnte ich an ihm den gleichen Wandel beobachten, wie an mir zuvor. Zwei Wochen Unterricht verwandelten meine Einstellung der ganzen Kampfkunst gegenüber Weitere Reise Wenn wir mal gerade nicht trainierten, haben wir Tokio und die Umgebung erkundet. Tokios Innenstadt (4-spurige Straßen) ist recht hässlich, und sieht so aus, wie jede andere hässliche Großstadt auch. Bemerkenswert ist dennoch, daß unter den Straßen eine „Schnellstraße“ für Passanten existiert, die fast ebenso hoch frequentiert wird, wie die Auto-Straßen. Ach ja, die U-Bahn. Also das U-Bahn-System ist recht leicht zu durchschauen, ähnlich dem in London. Allerdings sollte man die Rush-Hour vermeiden. Als wir dann doch einmal zu einer geschäftigeren Uhrzeit auf einen Bahnsteig kamen, sahen wir zu unserem Erstaunen, daß die Fahrgäste in Reih und Glied an markierten Punkten stand: in Zweierreihe. Es erscheint überaus praktisch, aber dennoch wehrte sich ein Gefühl in mir, mich diesen Reihen anzuschließen. Lieber warteten wir mit einigem Abstand, um dann einzusteigen. In der U-Bahn zeigte sich ein ähnliches Bild: Oliver und ich standen mit vollem Gepäck (jeweils 20 kg Rucksäcke und ein Bo zum wandern) in einer U-Bahn, die mittelmäßig gefüllt war. An einer Haltestelle drehten sich die Fahrgäste (außer uns) wie auf Kommando alle mit dem Gesicht zu den sich gerade öffnenden Türen. Daraufhin stiegen Massen ein, die sich ebenfalls zur Tür drehten und sich dicht an dicht dazugesellten. Nur wir standen kreuz und quer (wenn das überhaupt zu zweit geht, so haben wir das geschafft) und erhielten auch entsprechende Blicke der anderen Fahrgäste. Das Austeigen wurde ein Spaß... Ein Ausflugsziel der Tokyoter ist z.B. Takaoyama, auf dem sich ein riesiger Tempel befindet.






Körper, Sprache und Geist: Die drei Mysterien
Zendô - Bitte Schuhe ausziehen und auf der Treppe
abstellen. Das Schildchen neben der Tür des
Meditationsraumes im Amsterdamer Kanzeon Zentrum ist
deutlich. Es ist die erste rituelle Verrichtung des Tages. Der
japanische Meister Jômyô Tanaka geht voran, aber er
bleibt der Tür stehen. Gesammelt rezitiert er drei Mal HUM
(AUM), gleichzeitig schnippt er mit Daumen und Zeigefinger in
Richtung Tür. Das Tor zum Heligtum ist nun geöffnet und
die Begegnung mit dem esoterischen Shingon-Buddhismus Japans kann
beginnen.
"Waschen Sie Ihre Hände, spülen Sie Ihren Mund aus,
ziehen Sie saubere Kleidung an und reiben Sie Ihre Hände mit
Weihrauchpulver ein, ehe Sie den Übungsraum betreten", liest
man im Sûtrenbuch des Shingon-Buddhismus. Aber so
förmlich ist dieses erste Begegnungswochenende nicht. Wir
visualisieren zunächst den Sanskritbuchstaben MA im rechten
Auge und TA im linken Auge. MA verwandelt sich in die Sonne und
TA in den Mond. Wir bewegen uns, als liefen wir über
Lotusblumen, erfüllt von Mitgefühl, und knien dann
nieder, verneigen uns und berühren mit der Stirn den Boden,
als Ausdruck unserer Verehrung für alle Buddhas und
Bodhisattvas. Zweimal wiederholen wir das: Stehen, Hände
falten, den Mantra "Om Sarva Tathâgata Pâda
Vandanam Karomi" (Aum, ich begrüße ehrfurchtsvoll
alle Tathâgatas) rezitieren, niederknien, mit dem Kopf den
Boden berühren und aufstehen. Dann dürfen sich die acht
Teilnehmer, die zu diesem Wochenende gekommen sind, setzten.
Natürlich nur auf den Boden. Der kleine, niedrige Altar mit
Weihrauch, Blumen, Buddhastatue und Ritualgegenständen
verstärkt die sakrale Stimmung im strengen, schmucklosen
Raum, der hauptsächlich für Zen-Meditation benutzt
wird. Direkt über dem Altar hängt ein Bild
Jizô Bosatsus (Bodhisattwa), des Retters aller
lebenden Wesen. Zugleich weist er den Verstorbenen mittels eines
von im gehaltenen Lichtleins den Weg zum buddhistischen
Paradies.
Tanaka sitzt hinter dem kleinen Altar und hält einen
Vortrag über die Geschichte des Shingon-Buddhismus und
über den Mönch Kûkai, der den esoterischen
Buddhismus im neunten Jahrhundert nach Japan brachte und dort die
Shingon-Schule begründete. Er gelangte schnell zu hohem
Ansehen und wurde der spirituelle Lehrer dreier
aufeinanderfolgender Kaiser. Gleichzeitig war er ein Architekt
und Künstler. Er gründetete auch die erste Schule
Japans, die für Kinder aller gesellschaftlichen Schichten
zugänglich war. Nach seinem Tod wurde ihm der Ehrentitel
Kôbô Daishi verliehen - Großer Lehrer
und Verbreiter des Dharma - und er wird in Japan als einer der
beliebtesten Heiligen verehrt.
Holländischer Schüler
Der Shingon-Buddhismus ist völlog anders als der ebenfalls
japanische Zen-Buddhismus, der sich allen Schmucks entledigt hat.
Tatsächlich ist der Shingon-Buddhismus eine Strömung,
die im Westen fast völlig unbekannt ist. Auch in den
Niederlanden ist darüber, und das, obwohl Tanaka
Jômyô Sensei schon seit zwölf Jahren
regelmäßig jedes Jahr hierher kommt, nichts bekannt
gewesen. Bis vor kurzem hat er seine Vorträge im
Kushi-Institut in Amsterdam gehalten, blieb dort einige Tage und
unterrichtete dann anderswo in Europa. (Anmerkung M.K.: Er hat
auch Schüler aus England, Deutschland, Italien und
Kroatien).
Vor zwei Jahren lernte er Alex von Leuken kennen. Van Leuken (34)
beschäftigte sich bereits viele Jahre mit dem
Zen-Buddhismus, anfangs individuell, später unter Anleitung
durch Maarten Houtman im Kanzeon-Zentrum in Amsterdam - wo auch
diese Seminar stattfindet. Zugleich ließ er sich von
Thich Nhat Hanh und Mantak Chia inspirieren.
Trotzdem fehlte ihm etwas.
"Zum Zwecke meiner spirituellen Entwicklung ist es immer mein
Standpunkt gewesen, mich neben Sitzmeditationen auch mit
Körper- und Energiearbeit zu beschäftigen. Auch mein
Wunsch, dabei die Stimme zu benutzen, wurde immer stärker.
In dieser Situation bekam ich im Sommer 1994 ganz plötzlich
eine Ankündigung zu einem Seminar mit Meister Tanaka
zugeschickt. Während dieses Wochenendseminars sollte man
sich auf das Rezitieren von Mantren, auf Visualisationen und
Mûdras (Gebärden der Hände und des Körpers)
konzentrieren, die das Rezitieren der Mantren begleiten."
Alex van Leuken nahm daraufhin an dem Seminar teil und lernte
Tanaka kennen. Auf Tanakas Wunsch hin hat er beschlossen, sich
für die Verbreitung des Shingon-Buddhismus in Holland
einzusetzen. Weil Tanaka nun Schüler in Holland
unterrichtet, dauern seine Aufenthalte in den Niederlanden
länger. Er ist jetzt jedes Jahr drei Monate, von Januar bis
März, in Holland.
Blick nach Westen
Tanaka Jômyô Sensei wurde 1947 in der Präfektur
Saitama in Japan geboren. Unter der Anleitung seines
Großvaters hat er mit sechs Jahren das Studium des
Shingon-Buddhismus begonnen. Fünfzehn Jahre später
entschied der sich für ein Leben als Mönch und trat in
den Tempel Daikaku-Ji in Kyôtô ein. im Jahr
1970 wurd er von der Tôkyôter International
Brotherhood Association nach Indien geschickt. Dort studierte er
über fünf Jahre intensiv Indische Philosophie,
Buddhismus, Hinduismus und Yoga. Danach kehrte er nach Japan
zurück und wohnte im Tempel Yakushi-Ji in Nara. Aber
ihm mißfiel die Hierarchie im japanischen Buddhismus;
Neuerungen beanspruchen Jahre und sind schon überholt, wenn
man sie einführt. Traditionell stand die Lehre des
Shingon-Buddhismus nur denjenigen zur Verfügung, die sich
entschieden hatten, ihr ganzes Leben Buddha zu weihen - also den
Mönchen. Tanaka aber wollte die Lehre gerade allgemein
verbreiten, ohne ihren esoterischen Geheimcharakter anzugreifen.
Während seines Aufenthaltes in Indien waren ihm viele
Abendländer begegnet, die auf der Suche nachMethoden zur
spirituellen Entwicklung waren. Deshalb wandte er seinen Blick
nach Westen - wie es ihm Buddha in einem Traum zu tun aufgetragen
hatte. Im Jahr 1978 zog er deshalb in die Vereinigten Staaten, wo
er das Mandala Buddhist Center gründete, zunächst in
New York und dan Bristol, im Bundesstaat Vermont. Vor drei Jahren
gründete Tanaka die International Mandala
Association, die seine Aktivitäten koordiniert. Tanaka
wohnt nun wieder in seinem Geburtsland Japan, aber hält sich
dort selten mehr als vier Monate pro Jahr auf. In Japan ist er
ein viel gefragter Mann. Er ist unter japanischen
Geschäftsleuten populär, weil er Teile seiner Lehre
für ein größeres Publikum zugänglich gemacht
hat.
"Diese Leute besitzen, materiell betrachtet, schon alles. Sie
sind studierte Intellektuelle, aber sie wissen nichts über
den Buddhismus und auch nichts über sich selbst. Ich habe
vor kurzem ein Buch geschrieben, das auf der tratitionellen
Methode gründet; diese bietet durch Meditation,
Visualisation, Rezitation (von Mantren) und Mudrâs eine
Methode, die dem Menschen Erholung und Harmonie seiner Selbst
innerhalb von einhundert Tagen ermöglicht. Und das spricht
die modernen japanischen Geschäftsleute offenbar an, denn
sie bitten mich oft, sie wieder zu unterrichten."
Priesterausbildung
Für die Zukunft besteht der Plan, in Holland, irgendwo in
der Provinzverwaltung Limburg, den ersten Shingon-Tempel Europas
zu gründen. Alex van Leuken ist von Tanaka damit beauftragt
worden. Er ist jetzt allerdings sehr beschäftigt mit den
neuen Beziehungen in Holland, die selbstverständlich
gepflegt werden sollen und auch mit Shingon-Kursen, die er in Den
Haag, Amsterdam und Mastricht organisiert hat.
"Außerdem", so van Leuken, " ist dies ein Plan für die
weitere Zukunft. Auf Wunsch Tanakas organisiere ich seit
Frühjahr 1996 Gruppen. Weil ich schon die Absicht hatte, in
Zukunft Meditation zu unterrichten, freute der Vorschlag Tanakas
mich sehr. Ich könnte mich gleich mit dem
Einverständnis eines Meisters und ohne große
finanzielle Risiken an die Arbeit machen. Aber einen Tempel zu
führen, das ist doch etwas anderes. Deswegen will ich erst
die Priesterausbildung in Japan vollenden. Tanaka hat damit
begonnen, dort eine Shingon-Priesterausbildung für
Abendländer zu organisieren, aber es kann noch einige Zeit
dauern, ehe die ersten Schüler mit dieser Ausbildung
anfangen können."
In diesem Frühjahr hat von Leuken seinen Dharmanamen
Dôkai bekommen, er bedeutet "Weg über den Ozean". Er
ist ein Pionier, denn der Shingon-Buddhismus hat kaum
abendländische Schüler und Tanaka hat nur an Wenige den
Titel koshî - Assistenz-Lehrer - verliehen.
Im Westen
(... )Fortsetzung folgt ... wohl nicht mehr?!
Dieser Artikel wurde ermöglicht durch den Unterricht von Jimmy Zerylnick vom Bujinkan Atlanta Dojo. Er ist professioneller Ninjutsu Instruktor und unterrichtet Sanitäter in Selbstverteidigung. Er ist aber auch ein geistiger Lehrer, der weiß, wie er ein Herz berührt und die Wahrheit zeigt. Sein Wissen über die Behandlung von Schußverletzungen hat er sich bei seiner früheren Tätigkeit als Sanitäter erworben, in einer Stadt, in der Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute kugelsichere Westen tragen müssen. Eine Gegend, in der Gangs und anderer Abschaum auf Krankenwagen schießen, oder diese bestehlen, während jemandem geholfen wird. Sanitäter der Army arbeiteten mit ihnen, weil in dieser Gegend viele Schußverletzungen vorkommen und Sanitäter oft während Schießereien im Einsatz sind. Jimmy verweist auch auf Jim Cerillo, ein bekannter Polizist aus New York, der Mitglied in einem SWAT-Team war, bevor diese so genannt wurden und der viele Schießereien erlebt hat.
Die primäre Bewertung von Situationen mit Schießereien und deren Opfern ist dieselbe wie in jeder anderen Notfall-Situation. Die einzigen Unterschiede sind die speziellen Umstände und die Handhabung von Schußvertzungen:
1. An erster Stelle steht die Sicherheit der Helfer, dann die Sicherheit der Opfer und Verletzten. Man sollte sich nur dann nähern, wenn die Umgebung und die Situation sicher sind. Ist die Umgebung nicht sicher, sollte man warten, bis sie gesichert worden ist, oder versuchen sie selbst zu sichern. Ist das nicht möglich, sollte man sich nicht nähern. Man versuche, die Verletzten aus der Gefahrenzone zu bringen. Wenn die Schießerei noch in Gange ist, sollte man sich eine sichere Deckung suchen. Wenn man die Verletzten nicht wegschaffen kann, sollte man versuchen, sie durch einen Sichtschutz zu verdecken. Wenn möglich gebe man Feuerschutz (SWAT-Team) und werfe den Verletzten ein Seil einem Haken oder Karabiner zu, um sie aus der Gefahrenzone zu ziehen. Man kann auch einen Stock oder etwas anderes mit einem Haken benutzen. Das empfiehlt sich besonders dann, wenn die Verletzen bewußtlos sind. Wenn man alleine ist und vermutet, das sich noch Bewaffnete in der Umgebung aufhalten, sollte man von einer sicheren Position aus handeln, Instruktionen erteilen, als wäre man nicht alleine, und falsche Angaben über die Anzahl seiner Helfer und deren Bewaffnung laut rufen.
2. Wenn die Umgebung sicher ist, sollte man sich vorsichtig
dem Patienten nähern, um nicht von ihm erschossen zu werden.
Er könnte in Panik sein und nicht registrieren, daß
sich jemand in friedlicher Absicht nähert. Es gab viele
Situationen, in denen verwundete Polizisten auf ihre Kollegen
oder Sanitäter schossen. Wenn jemand angeschossen wurde,
kann er unter Schock stehen, unter Einfluß von Adrenalin
stehen, es kann dunkel sein und er kann sich erschrecken und ein
Messer oder eine Pistole haben. Also sollte man sehr vorsichtig
sein. Am besten ruft man den Verletzten an und vergewissert sich,
daß er weiß, daß wer kommt.
Wenn man bei dem Opfer ankommt, sollte man sich als erstes
über seinen Bewußtseinszustand klar werden und es ihm
so bequem wie möglich machen. Man muß dem Verletzen
das Vertrauen geben, daß ihm geholfen wird. Wenn der
Verletzte noch eine Waffe hat, sollte sie gesichert werden! Dann
kann man sich mit seinen Wunden und medizinischen Situation
beschäftigen.
3. Wenn der Verletzte eine Schußwunde am Kopf, Nacken, Brust oder Rücken aufweist, muß man annehmen, daß das Rückenmark betroffen. Deshalb muß der Wirbelsäule unbedingt stabilisiert werden! Kopf und Nacken müssen stabil gehalten werden; am besten benutzt man ein C-förmiges Kissen für den Nacken. Unter einfachen Umständen kann man auch eine Decke, Kleider oder ähnliches benutzen. Man bindet oder klebt dem Verletzten ein Brett auf den Rücken oder auf die Wirbelsäule. Man kann auch einen Besen, ein Seil oder eine Tür benutzen, um den Verletzten zu stabilisieren. Wenn mehrere Helfer in der Nähe sind, wird der Verletzte stabilisiert, indem man ihn kurz umdreht und das Brett unter ihn schiebt. Wenn man alleine ist, muß man auf Hilfe warten, oder, wenn keine Hilfe kommt, entsprechend der Situation handeln.
4. Prüfung der Luftröhre: Die Luftröhre muß frei sein. Wenn der Verletzte spricht, kann er frei atmen. Ist der Verletzte bewußtlos, bringt man ihn in die stabile Seitenlage. Gibt es Probleme mit der Wirbelsäule, sollte er auf dem Rücken liegen bleiben. Durch das Öffnen des Kiefers, gibt die Zunge die Luftröhre frei. Dies sollte man bei Leuten probieren, die bei Bewußtsein sind. Wenn man damit fertig ist, sollte sich noch einmal vergewissern, daß der Verletzte einigermaßen sicher ist. Notfalls muß improvisieren. Wenn der Verletzte verbrannte Lungen hat muß er aufrecht sitzen. Im Krankenhaus wird er mit stark angefeuchtetem Sauerstoff behandelt. Selbst dort sterben viele, deren Lungen stark verbrannt sind.
5. Normalerweise atmet man 12 Mal pro Minute. Kritisch wird es, wenn jemand weniger als 5 Mal pro Minute atmet. Dann sollte man denjenigen zusätzlich 7 Mal pro Minute beatmen. Wenn jemand wesentlich schneller atmet, zum Beispiel 80 Mal pro Minute, was bei Herzanfällen vorkommen, gibt es keine Hilfe. Das bedeutet, das derjenige hyperventiliert und daran sowieso stirbt. Man sollte immer davon ausgehen, das jeder Verletzte AIDS (HIV), Hepatitis oder Tbc hat und sich entsprechend verhalten, außer bei den eigenen Kindern oder Ehegatten!
6. Man prüfe den Puls am Hals. Ist er unter 40, sollte man eine Herzmassage versuchen. Bei Schußwunden hat man oft Schock-Symptome. Deshalb sollte man Puls, Blutdruck und Haut untersuchen und nach der Ursache des Schocks fragen. Der Puls liegt dann mindestens bei 80 - 90 Schlägen. Wenn kein Puls, sondern nur ein Herzschlag zu spüren ist, liegt ein Schock vor und man sollte handeln. Heftige Blutungen sollte sofort stoppen und den Atem beobachten. Man gibt mit der Hand direkt Druck auf die Wunde. Wenn möglich, sollte man Druckpunkte benutzen.
7. Wenn möglich, sollte der Verletzte sofort in eine Unfallstation gebracht werden.
Sekundäre Bewertung:
Bei dieser Art von Wunden wird in 99% Prozent der Fälle
Herz-Lungen-Wiederbelebung nicht funktionieren. Deshalb sollte
man keine Schuldgefühle haben, wenn man es wenigstens
versucht hat. Bei Herzanfällen und anderen medizinischen
Problemen kann die Herz-Lungen-Wiederbelebung funktionieren, also
sollte man sie dort anwenden.
Jim Cerillo hat viele Bücher und Videos über dieses
Thema veröffentlicht.
Es gibt viele Bücher zum Thema, zum Beispiel:
Publisher: Brady ....Simon & Schuster Company....Upper saddle
River, New Jersey Title: Paramedic Emergency Care by Bryan E.
Bledsoe, Robert S. Porter, Bruce R. Shade
ISBN 0-8359-4987-7
TAIKAI 1998 Levico Terme, Italien
Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz
"SHINDEN FUDO RYU HAPPO BIKEN", das war das Thema des
diesjährigen TAIKAIs in Italien, vom ersten bis dritten Mai.
Nach knapp achtstündiger Fahrt kamen wir nachts zwischen
zwei und drei Uhr in Levico Terme auf dem Campingplatz an. Das
Zelt war schnell aufgebaut und wir versuchten noch ein
bißchen Schlaf zu finden bis zum Beginn des TAIKAIs um elf
Uhr. Veranstaltungsort war eine Sporthalle im Stadion,
riesengroß und mit Steinfußboden. Die Organisation
der Italiener war gut. Es war für alles gesorgt und die
Informationen erreichten jeden. Die über 400 Teilnehmer, die
aus der ganzen Welt angereist waren, begrüßten SENSEI
enthusiastisch. Begleitet wurde er diesmal von seiner Frau und
dem Übersetzer. Es waren keine japanischen SHIHANE
mitgekommen. Jedoch waren eine größere Anzahl 10.
DAN-Träger anwesend, die, wie Hatsumi später mehrmals
betonte, alle gut sind und von denen wir versuchen sollen, zu
lernen, wenn er die TAIKAIs nicht mehr besucht. Trainiert wurde
ca. zweimal 2 - 3 Stunden am Tag, mit einer italienischen
'Pranzo'-Pause von 3 Stunden dazwischen. Übersetzt wurde vom
Japanischen in die englische Sprache, von dort ins Italienische
und manchmal auch ins Spanische.
Das Training und die Demonstrationen fanden auf einem sehr hohen
Level statt. SHINDEN FUDO RYU beinhaltet Techniken auf dem Niveau
des 10. DAN. Dementsprechend schwierig war es vor allem für
die Grüngurte, die Details der Techniken zu begreifen. Aber
auch die Schwarzgurte hatten ihre Probleme, vor allem am ersten
Tag. Das charakteristische der RYU ist der natürliche
Fluß, so daß es in jeder Phase des Kampfes darauf
ankommt, jederzeit in der Lage zu sein, die Richtung, die Technik
selbst oder die eigene Intention zu verändern. Es gibt keine
festen KAMAE, außer SHIZEN NO KAMAE, auf der anderen Seite
bewegt man sich eigentlich immer in oder durch Positionen, die
den Charakter einer KAMAE haben. SENSEI zeigte anhand von
Variationen und Reaktionsmöglichkeiten auf die
Entwicklungen, die eine KATA im Kampf nehmen kann, was damit
gemeint ist. Er nutze viele unterschiedliche UKE und ließ
auch immer die Träger des 10. DAN ihre Versionen zeigen und
ihre Erkenntnisse mitteilen. Das war hilfreich zum
Verständnis der Absicht, die hinter den KATAs steht.
Ein paar Besonderheiten am Rande:
Das Seminar mit Brin wurde organisiert von Michael Schindewolf und seiner Trainingsgruppe in Bonn. Es war mein zweites Seminar in diesem Dojo und ich bemerkte einige positive Punkte, die man in anderen Dojos nicht findet. - Die Halle selbst. Ursprünglich war es eine Judohalle und sie ist groß und hoch, und sie ist fast vollständig mit einer Mattenfläche ausgestattet. - Die Mitglieder des Dojos kümmerten sich sehr sorgfältig um ihre Gäste. Es war genug Raum zum Schlafen im Dojo und das gesamte Wochenende gab es ausreichend Essen und Trinken für die Seminarteilnehmer. Ebenso war der Preis des Seminars mit 160.- DM inklusive Essen und Ü in Ordnung. - Im Gegensatz zu manch anderen Dojos trainieren dort viele Frauen, und das mit der gleichen Motivation sowie technischem und physischem Level, wie Männer. Das Seminar begann am Freitagabend mit einem "Aufwärmtraining" mit Brin. Thema war TAIJUTSU in seiner reinen Form. Er erklärte viel ü Prinzipien Distanz und Winkel, sowie ü deren praktische Anwendungen. Während des Trainings ging Brin durch die Reihen und korrigierte jeden gemäß seines Levels und zeigte verschiedene Formen der Technik, die jeweils auf die entsprechende Person und ihrem Level paßte. Dies tat er während des gesamten Seminars und das machte sein Training sehr individuell und hilfreich. Das ist selten auf den vielen Seminaren, die ich bisher besuchte, der Fall gewesen. Ebenso selten ist, daß man so viel Informationen ü das Training und seine verschiedenen Stufen auf dem Niveau des DAN-Trägers bekommt. Das hilft eine Menge! Zu guter Letzt bekommst Du ein Curriculum des Seminars in schriftlicher Form mit den gesamten Techniken des Seminars, so daß Du Dich auf das praktische Training konzentrieren kannst. Außerdem ist wesentlich mehr Hintergrundinformation in diesen Unterlagen, als man in einem Wochenende trainieren kann. Am Samstag begann Brin das Training mit der Bekanntgabe, daß er jeden von uns als UKE gebrauchen werde. Er tat dies mit Männern und Frauen während des gesamten Seminars auf allen Levels. Dies machte das Training persö und auch gleich fü alle. Es erleichtere das Verständnis fü die Techniken. Er tat dies bei Techniken vor der gesamten Gruppe, aber auch beim Korrigieren während der Ü Die meisten Lehrer nutzen nur einen UKE. Die Art von Brin machte das Training persö Auch zeigte es, daß Brin die Technik bei allen wirksam demonstrieren konnte und es war hilfreich zu sehen, wie er die Techniken an die jeweiligen Personen anpaßte. Er begann mit der KUSARI FUNDO und nutzte TAIJUTSU im Windelement, um den Gegner zu fangen und zeigte, was zu tun ist, wenn der Gegner auf die eigenen Techniken reagiert. Er erklärte, daß flexible Waffen im Training anfangs nicht mehr als 50% kontrolliert werden kö Deshalb startet man im Wind-Element, worin Du selbst sicher mit den Waffen trainieren kannst. Erst wenn Deine Fertigkeiten im Umgang mit flexiblen Waffen steigen, kannst Du damit beginnen, sie unter anderen Modi einzusetzen, bei denen Du zu jeder Zeit wissen mußt, wo die Waffe sich befindet. Die zweite Hälfte des Tages arbeiteten wir mit KYOKETSU SHOGE die Basistechniken durch, die in seiner Schule gelehrt werden. Es zeigte sich, daß nicht so viele Leute gut damit umgehen konnten. Der Grund mag darin liegen, daß es nicht so viele Lehrer gibt, die den Umgang damit zeigen, obwohl sie die Waffe kennen. Brin war bewundernswert in seinen Fähigkeiten und gebrauchte diese auch in praktisch in den Techniken. Er zeigte Formen, in denen er das Schwert des Gegners fing und die schwingende Bewegung gegen mehrere Angreifer ausnutzte. Er zeigte, wie man sein TAIJUTSU mit dieser Waffe auf verschiedene Distanzen und Winkel anwendet und anpaßt. Es war eine Menge in diesem Training enthalten und das Level war hoch. Ich vermute, daß jeder sich in diesen Techniken auf seinem Level bewegt hat. Am Sonntag starteten wir mit NAWA NOBORI. Wir ü Knoten und die Anwendung dieser bei Fesselungen und Klettertechniken. Er zeigte auch, wie man seinen OBI praktischer fü das Training bindet. Die Fesselungstechniken verband er mit TAIJUTSU, was fü die meisten neu war, die Techniken jedoch mehr lebendig und praktisch machte. Im letzten Teil des Seminars gingen wir zurück zum KYOKETSU SHOGE und setzten dort fort, wo wir am Samstag aufgehö hatten. Am Ende des Seminars faßte Brin zusammen, daß wir viel mit den gelernten Techniken arbeiten sollen, denn es hatte sich ihm gezeigt, daß die meisten wenig Erfahrung und Übung im Umgang damit haben und daß es eine Menge mehr darüber zu lernen gibt, was wir an diesem Wochenende nicht erfahren konnten. Wir erhielten alle eine Urkunde von Brin persönlich überreicht und er sagte sogar meinen Geburtstag an, der auf diesen Tag fiel. Zusammenfassend gibt es für mich einige Punkte, die mich veranlassen, Seminare mit Brin zu besuchen. Ich nahm an zwei Seminaren bisher teil und andere Mitglieder unseres DOJO besuchten andere Seminare mit Natascha Tomarkin, seiner Frau. Das Level des Trainings ist sehr hoch und sehr nützlich, besonders auch für Schwarzgurttraining, denn man wird auch auf diesem Level korrigiert. Man bekommt ein gutes Verständnis dafür, was man auf seinem Level trainieren muß. Die Menge an Information, die herüber kommt, ist erstaunlich. Brin und Natascha reisen durch die ganze Welt, um zu trainieren und haben so eine direkte Verbindung zu Hatsumi, daß du sehr direkte und anregende Informationen von Soke bekommst. Wenn du auf ein Seminar mit Brin fährst, nimm alle Waffen mit, denn sie werden alle auch gebraucht, nicht nur die Basistechniken sondern auf allen Level. Das energetische Level während des Trainings ist sehr hoch und du kommst mit Sicherheit ins Schwitzen. Und das gefällt mir gut. Wenn du nach Hause gehst, hast du das Gefühl etwas getan zu haben und du fühlst dich trotz allem noch fit. Schauen wir der Wahrheit ins Gesicht: Fertigkeiten werden entwickelt durch Verständnis und hartem (nicht bloß ein bißchen) gezieltem Training. Abschließend muß ich sagen, daß ich in der Vergangenheit viel Gerede über Brin gehört habe, aber seit ich den Mann persönlich getroffen habe, muß ich euch mitteilen, daß 'this is just a honest guy with a lot of dedication to his training' und er teilt es mehr als freigiebig. Und da ist eine Menge zu teilen! Nächstes Seminar mit Brin in Bonn wird am 27./28. Juni sein. Themen: Messer und Pistolenkampf. Infos siehe News auf der Homepage.
Bud Malmstrom ist 10. Dan Bujinkan Shidoshi vom Bujinkan
Atlanta Dojo. Er hat eine Zeit bei den US. Marines hinter sich
und ist zur Zeit Polizeioffizier und Polizeiausbilder, sowie
professioneller Bodyguard.
Bud besuchte Landgraaf in den Niederlanden, um ein Seminar
über Hanbo-Jutsu und Ninja-Ken (Shinobi Gatana) zu geben.
Veranstaltet wurde das Seminar vom Stichting Martial Arts Dojo in
Landgraaf, die Mitglied sind von Shinden No Michi und Bujinkan
Dojo von Soke Hatsumi.
Das Seminar begann mit der Erkundung der Grundlagen und den
wichtigsten Prinzipien des Taijutsu. Das Verstehen dieser wurde
reflektiert und angewendet in realistischen Kampftechniken mit
Hanbo und Schwert. Diese sehr realistische Annäherung an die
Themen war Grundgedanke und Überschrift des gesamten
Seminars, wie alle Seminare mit Bud bisher. Wie auch in der
Vergangenheit fesselte Bud die Aufmerksamkeit der
Seminarteilnehmer durch seinen Humor und oft überraschenden
Erklärungen.
Am ersten Tag durchliefen wir die Hanbo-Katas einer der Scrolls
des Kukishinden Ryu. Jede der Katas war begleitet mit
detaillierter Information über die versteckten Grundlagen
und Prinzipien, sowie die praktischen Anwendungen und
Übertragungen auf die heutigen Gegebenheiten. Zwischen jeder
einzelnen Kata zeigten die fortgeschrittenen Schüler und
Lehrer des Seminars ihre Einsichten und Verständnis der
jeweiligen Kata. Auf diesem Wege vermittelte Bud ein
größeres Spektrum von mö Aspekten einer Kata und
beurteilte nebenher noch den Leistungsstand der Lehrenden.
Das Training endete an diesem Tag mit einer
Fertigkeitsdemonstration der Turtles der Kindergruppe des
SMAD (5 - 12 Jahre alt). Für die Anwesenden war es
erstaunlich, wie diszipliniert und gekonnt die Kinder ihre
Fähigkeiten demonstrierten.
Nach dem Training genossen die meisten der Seminarteilnehmer ein
mexikanisches Buffet. Der Abend wurde anschließend
gefüllt durch eine African Dance Party, die aus
Live-Percussion einer afrikanischen Trommelgruppe und einer
Tanzdarbietung Afropop durch Seminarteilnehmer bestand.
Außerdem natürlich viel Tanz durch alle
Anwesenden.
Der zweite Tag begann mit den Grundlagen des Schwertkampfes. Es
war erstaunlich, wie viele neue Einsichten erlangt werden konnten
über Kamae und Fußarbeit. Bud teilte seine
Erkenntnisse mit allen freizügig und ehrlich. Dann gingen
wir durch eine Anzahl Katas mit dem Thema 'Schwert gegen
Schwert'. Die meisten Techniken basierten auf dem Prinzip der
Irreführung des Gegners durch Öffnung der eigenen
Deckung. Der Gegner wurde durch geschicktes Taktieren dazu
gebracht diese verwundbaren Punkte anzugreifen und unterlag. Dies
gehört zu den fortgeschrittenen Techniken und Taktiken
unseres Trainingsprogramms.
Der Tag endete mit einigen sehr guten Prüfungen und Bud war
zufrieden mit der Leistungsfähigkeit der Seminarteilnehmer
in Europa.
Bud Malmstrom gibt 1998 mehr Seminare in Europa. Beachte die
Seminare und News der Homepage.
Bedeutung des Ninja im 20. Jahrhundert
Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz
Die Ursprünge
Zu den Wurzeln des Ninpo muß man sicherlich Shugendo
rechnen, der Weg, Furcht und eigene Grenzen in der Wildnis der
Bergwelt zu überwinden und die Stärke der Berge zu
erreichen, auf sich zu übertragen. Die ersten Ninjafamilien
zogen sich ebenfalls in die Wildnis der Berge zurück, um
dort mittels der Einfachheit der Lebensweise und gestärkt
durch die Anforderungen eines Lebens in der Wildnis, den Sinn des
Daseins zu ergründen und ihre Einordnung in die Funktion des
Lebens zu erforschen. Sie waren auf der Suche nach Erleuchtung.
Durch Verfolgung gezwungen, den Aspekt der Selbstverteidigung in
ihr Leben zu integrieren, entwickelten sie auf der Grundlage
einer Philosophie einer allumnfassenden Einzigkeit (Taikyoku) und
einer aus Gründen Erkenntnis entstehenden fundamentalen
Polarität (In und Yo, entspricht dem bekannteren
chinesischem Prinzip des Jing und Yang) Fähigkeiten, die
ihnen einerseits das Überleben ermöglichten,
andererseits ihnen eine Einflußnahme auf ihre Mitmenschen
und Feinde gestattete, die dem einfachstrukturierten Menschen
damals als Mystik erscheinen mußte.
Von den Machthabern wurden die Fähigkeiten bald erkannt und
versucht, für Machtinteressen einzusetzen. Das führte
zu einer enormen Verbreitung der Kunst der Ninja, denn es wurden
für Kriegszwecke eine erhebliche Anzahl von 'Ninja-Agenten'
in relativ kurzer Zeit ausgebildet. Auf der anderen Seite
führte das aber auch zu einer Überbetonung der
körperlichen Aspekte und Ersatz der geistigen Entwicklung
durch Kniffe und Tricks, die mit Sicherheit auch Erfolge zeigten,
jedoch der geistigen Substanz und Stärke entbehrten und sehr
bald an ihre Grenzen stießen. Dadurch entfernten diese
söldnerartigen Ninja von der eigentlichen Zielsetzung des
Ninjutsu.
Von dieser urprünglichen Zielsetzung und dem sich
entwickelnden Weg des Ninjutsu ausgehend, die ja trotz der
Entwicklung des Söldnertums, nicht ihre Bedeutung verloren,
hatte der Ninja eine stabilisierende Funktion im
gesellschaftlichen und politischen Bereich, indem er immer
für einen Ausgleich bei extremen Entwicklungen sorgte. Die
Art und Weise, wie er dies tat, brachte ihn oft in Verruf. Er
kümmerte sich z. B. in keiner Weise um den Ehrenkodex der
Samurai. Er stand am unteren Ende der gesellschaftlichen
Hierarchie und wurde aufgrund seiner scheinbaren Skrupellosigkeit
gefürchtet und wegen der spektakulären Erfolge
mystifiziert.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Ninja
sich im Verlauf der Jahrhunderte von philosophisch
religiösen Gruppen zu straff organisierten
Geheimgesellschaften in Familienclans entwickelten, die
großenteils später unter die Kontrolle der Obrigkeit
gerieten oder im Untergrund verschwanden. Meist wurden die
geheimen Aufzeichnungen der Ryu vom letzten Oberhaupt vernichtet,
so daß viele Geheimnisse des Ninjutsu dadurch verloren
gingen. Lediglich eine Ryu ist bekannt, welche die 'Wirren der
Jahrhunderte' überlebte: die Togakure Ryu mit einer
ununterbrochenen Linie von Großmeistern, wovon Soke Masaaki
Hatsumi der 34. ist.
Die Bedeutung heute
Die Zeit ist nicht stehengeblienben. Die Menschheit hat sich weiterentwickelt, hat kulturelle, ethische, technische, politische und viele andere Entwicklungen durchlaufen. Es stellt sich die Frage, ob der Ninja mit seiner Lebensweise heute noch Bedeutung für die Gesellschaft und für den Einzelnen hat, oder ob seine Ziele der damaligen Zeit angepaßt waren und heute bedeutungslos geworden sind, so daß seine Erscheinung eher archaisch wirkt.
Wie sieht die Öffentlichkeit den Ninja heute?
Vor ein paar Jahren in der Öffentlichkeit noch fast
unbekannt, in Kampfkunst- und Kampfsportkreisen schon eher
bekannt aber nicht genau definierbar, wurde der Ninja in letzter
Zeit durch die Medien verzerrt dargestellt. Anhand
oberflächlicher historischer Recherchen und ausschnitthafter
Falschdeutungen wurde, auf der Suche nach neuen Filmsensationen,
der Ninja als Spezialist für dunkle Machenschaften wie Mord,
Spionage und Sabotage dargestellt. Seine Erscheinungsform wurde
reduziert auf die schwarzgekleidete, maskierte Gestalt mit
übernatürlichen Fähigkeiten, wie 'durch Wände
gehen' oder 'über Wasser laufen'. Dieses mystifizierte und
stigmatisierte Bild hat auch die Öffentlichkeit vom
Schattenkrieger. Dies wirkt auf der einen Seite faszinierend und
nachahmenswert für bestimmte Gruppierungen. Nachgeahmt
werden jedoch nur Dinge, die auch auf der Leinwand zu sehen sind.
Das sind Skrupellosigkeit, Hinterlist, Brutalität und
äußere Erscheinung. Das wird nicht nur von
Jugendlichen imitiert, sondern auch von gewissenlosen
kommerziellen Kampfsportlehrern, die auf den 'Zug aufspringen'
und versuchen, mit Ninjutsu Geld zu verdienen und ihren
Kundenstamm zu erweitern. Auf der anderen Seite werden die Ninja
von der intellektuellen Seite der Gesellschaft aus moralischen
Gründen abgelehnt und als Sensationsprodukt der Medien
abgetan. Beide Urteile werden der Bedeutung des Ninpo in der
heutigen Gesellschaft mit Sicherheit nicht gerecht. Dazu bedarf
es der Erörterung der Ziele der heutigen modernen Ausbildung
und Ausformung der Kampfkunst.
Die Ziele heute
In einem Interview sagte Stephen K. Hayes, daß die Ziele
des Ninjutsu gleichgeblieben sind:
Die Bedeutung für den Einzelnen heute
Die Bedeutung für die persönliche Entwicklung ist
gleichgeblieben, eher noch gestiegen. Während es früher
die Konfliktbewältigung unter Umständen schon
ausreichte, in der körperlichen oder taktischen
Auseinandersetzung Sieger zu bleiben, treten heute häufig
andere Bedrohungsformen auf.
Einmal steht der Mensch heute in einer Leistungsgesellschaft, in
der er einem ständigen Konkurrenzkampf ausgesetzt ist. Hier
kommt es zu geistigen Auseinandersetzungen, Intrigen,
Leistungsstreß, der die Reserven angreift.
Charakterschwächen, gesellschaftliche Unzufriedenheiten,
politisch extreme Einstellungen und religiöser Fanatismus
etc. verursachen Verbrechen und Terroranschläge. Der
einfache Bürger ist nicht selten den Terrormaßnahmen
jugendlicher Außenseiter ausgeliefert, die aufgrund ihres
zahlenmäßigen Auftretens mittlerweile schon keine
Randerscheinung mehr sind, sondern Ausfluß der
gesellschaftlichen Entwicklung.
Hinzu kommt, daß der Bürger der heutigen Zeit
vielfachen existenzbedrohenden Angriffen der internationalen
organisierten Kriminalität und extremen Terrorgruppen
ausgesetzt ist, vor denen ihn auch ein Rechtssystem mit seinen
Exekutivorganen nicht wirksam zu schützen vermag.
Ninjutsu bietet hier dem Individuum die Möglichkeit, sein
Überlebenspotential erheblich zu steigern. Der Ninja
entwickelt und stärkt seine Persönlichkeit, seinen
Charakter, seine Urteilskraft und sein Handlungsvermögen,
und, nicht zuletzt seinen Körper. Ninjutsu bietet dem
Menschen in der heutzutage zunehmenden Haltlosigkeit und
Wertelosigkeit eine Orientierung, eine zielgerichtete
Entwicklungsmöglichkeit, die nicht einem fremden
ideologischen Zweck dient, sondern nur der eigenen Entfaltung der
Persönlichkeit. Der Ninja bildet in der Gesellschaft als
Person damals wie heute einen Eckpfeiler. Er ist ein Beispiel der
Charakterfestigkeit und Persönlichkeit. Nach der Philosophie
des IN und YO Ausgleichskonzept lebend ist er für seine
Freunde ein Ansprechpartner und Helfer in der Not, für seine
Feinde ist er unberechenbar und gefährlich.
Die Anpassung des Ninja an die heutige Zeit
Auch wenn die Ziele und der Weg gleich geblieben sind, so
existieren in der heutigen Zeit doch andere Gegebenheiten als vor
Jahrhunderten. Das heutige Ninjutsu, vom Geist her das alte
geblieben, ist in den Trainings- und Kampfmethoden, sowie in den
angewendeten Mitteln modern geworden. Das ist keine
plötzliche Entwicklung, sondern ein Prozeß, der sich
über die Jahrhunderte zog und noch zieht. Schon von Beginn
an waren die Ninja darum bemüht, dem Gegner einen Schritt
voraus zu sein, sowohl technisch (Blendpulver, Spreng- und
Feuermittel), als auch taktisch und strategisch (systematische
Erforschung der konventionellen Kriegsführung und der
Guerillataktik) oder psychologisch (Sieg durch Niederlage,
täuschen).
Im Verlauf dieser Bemühungen fand und findet eine
ständige Weiterentwicklung des Wissens und der Technik
statt. Der Ninja nutzt die Errungenschaften der Technik, ohne
jedoch die Grundlage zu vernachlässigen: seinen Körper
und seinen Geist zu perfektionieren. Er verläßt sich
nicht auf die Technik, ignoriert sie aber auch nicht, wie manche
Naturlehren es fordern, sondern er nutzt sie zu seinem
Vorteil.
Der Ninja mußte und muß sich anpassen an die
sozialen, rechtlichen und physikalischen Gegebenheiten, an neue
Gesellschaftsformen, an die Umstände, die eine Bedrohung
ausmachen, um weiter bedrohungsgerecht handeln zu können.
Alles kann ich hier nicht abhandeln, einige Beispiele sollen als
Anregung genügen:
Über leere Schalen und schaale Lehren
I
von Johannes Ehrenthal, SHIN-DEN NO MICHI Göttingen
Lernen ist etwas sehr Wichtiges im Leben. Wenn wir nicht von
klein auf jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, ja jede Sekunde
etwas dazulernten, gäbe es bald Stillstand, wenn nicht sogar
Rückschritte zwischen unseren Ohren. Wir können gar
nicht anders, als ständig neue Reize aufzunehmen, jedoch
liegt es an uns, diese Reize sinnvoll zu verarbeiten. Obwohl wir
eigentlich nur durch Lernen uns weiterentwickeln können,
haben trotzdem viele Menschen ein eher schwieriges
Verhältnis zum Lernen. Allein das Wort selber klingt schon
nach abgewetzten Schulbänken, verstaubten Büchern und
Examen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es für
jeden Menschen sinnvoll, sich mit dem eigenen Lernverhalten
auseinanderzusetzen.
Ich möchte in diesem Artikel Erfahrungen teilen, die ich in
meinem bisherigen Training und insbesondere während meiner
zwei Aufenthalte in den USA Juli-Oktober 1996 und
Februar-März 1997 gemacht habe. Wenn ich wiedergebe, was
meine Lehrer und Lehrerinnen gesagt haben, tue ich das so, wie
ich es mir gemerkt habe, es ist also meine Interpretation.
Für eventuelle Mißverständnisse oder Fehler bin
also ich verantwortlich, niemand sonst.
Ich freue mich auf Rückmeldungen und Erfahrungen Anderer.
Was ich hier zu Papier bringe ist nicht der Weisheit letzter
Schluß, und ich sehe mich insofern auch nicht als Experten
oder etwas vergleichbares. Ich habe noch so viel zu lernen und
freue mich darauf. Also, bitte lest den Artikel kritisch und
nehmt nichts von dem, was hier steht, für bare
Münze!
Eine Entscheidung zu treffen ...
kann der erste Schritt für erfolgreiches Lernen sein. Sehr
viele Menschen gehen mit verbundenen Augen durch ihr Leben und
nehmen Erfahrungen "im Vorbeigehen" mit oder lernen nur, wenn sie
sich dazu gezwungen fühlen. Wenn ich mich einem Thema nur
oberflächlich annähere, wird das Resultat ebenfalls
oberflächlich ausfallen. Manche Dinge möchte ich
vielleicht auch nur so weit streifen, wie es mir nötig
erscheint, bei anderen ist dies gar nicht möglich, da sie
nur als Ganzes richtig zu betrachten sind. Das größte
Hindernis ...
für richtiges Lernen kann das eigene Ego sein. Mit Ego meine
ich hier den Teil unserer Persönlichkeit, der bei allen
unseren Handlungen fragt: "Und was ist mit mir? Was denken andere
jetzt von mir?" Das allerdings kann zu großen
Schwierigkeiten führen. Bud Malmstrom hat einmal gesagt,
daß im Ninjutsu jeder und jede nur auf den eigenen
Lernfortschritt achten soll. Er meinte, man könne dies mit
einem Weg vergleichen, auf dem jede/jeder Lernende
voranschreitet. Jeder Mensch hat dabei einen ganz individuellen
Weg vor sich. Wenn ich als Lernender mich ständig umschaue,
um zu sehen, wo die anderen sich gerade befinden, kann ich ja
nicht gleichzeitig meinen eigenen Weg im Auge behalten, es kann
also gut sein, daß ich mich verirre. Hinzuzufügen
wäre, daß es sogar Menschen gibt, die ihren ganz
individuellen Pfad verlassen, nur um andere in ihrem Fortschritt
zu bremsen.
Wenn ich - gerade im Training - vor allem darauf achte, wie
andere mich wahrnehmen, ob meine "Position" innerhalb der
Lerngruppe gewährleistet bleibt, ob ich "gut aussehe", ob
ich jedesmal "gewinne", ob ich keine "Fehler" mache, betrüge
ich mich selber. Fehler sind also das Beste, was uns passieren
kann, da wir nur durch Fehler auf die Bereiche aufmerksam werden,
in denen wir uns noch weiter entwickeln könnten. Wenn irgend
etwas noch nicht so klappt wie ich es mir wünsche, dann bin
ich eben noch nicht so weit. Was soll's? Taijutsu lügt
nicht!
Es ist also sinnvoll, eine möglichst unvoreingenommene
Herangehensweise an jede einzelne Trainingseinheit zu haben. Oft
wollen wir Erfahrungen gleich in Schubladen einordnen um sie
hübsch und sauber wegschließen zu können, mit
fatalen Konsequenzen. Wer erinnert sich nicht an eine Landschaft,
die er oder sie jeden Tag zu Gesicht bekommt, die eines Tages
jedoch völlig neue Details von sich preisgibt? Oder eine
Technik, die so lange nicht funktioniert hat, bis jemand gesagt
hat: "Hej, schau Dir das doch mal unter diesem Aspekt an.", oder
einen Menschen, den man vielleicht über Jahre hinweg
völlig "falsch" eingeschätzt hatte.
Es gibt mehrere Arten von Wissen. Erstens, das Wissen, das wir
uns angeeignet haben. Zweitens das Wissen, von dem wir wissen,
daß es existiert, von dem wir aber noch keinen Schimmer
haben. Und drittens das Wissen, von dem wir nicht einmal wissen,
daß es vorhanden ist. Wir haben alle das Potential, in den
unmöglichsten Situationen neue Einsichten und Impulse zu
erreichen - wie schade wäre es, ließen wir
selbstverschuldet solche Gelegenheiten an uns
vorüberziehen.
Ein gutes Sprichwort ... - leider aus dem Englischen -
schlägt vor, "to bring an open mind and an empty cup to the
training" (einen unvoreingenommenen Geist und eine leere Schale
zum Training mitzubringen). Die leere Schale kann hier als
Gedächtnisstütze dienen, wirklich jedes Mal das, was
unterrichtet wird, so anzunehmen, wie es kommt und zu probieren,
die Essenz hinter den Techniken zu erforschen. Viele Menschen,
die vor dem Ninpo-Training schon z.B. eine Kampfsportart haben,
oder die wenig Gelegenheit finden, unter qualifizierten
Lehrerinnen und Lehrern zu trainieren, fällt es schwer, sich
ganz auf unser Training einzulassen, oft, weil sie sich über
das definieren, was sie in ihrem Leben bisher gemacht haben. In
ihrer Schale bleibt also immer ein Bodensatz zurück, der
sich mit dem vermischt, was dazugetan wird. Manchmal ist das der
Speise sehr zuträglich, oft führt es aber dazu,
daß sich das wahre Aroma unseres Trainings nicht entfalten
kann.
Die Hauptfeinde des Kriegers sind Langeweile, Selbstzufriedenheit und Geltungsbedürfnis. Diese lähmenden Einstellungen sind gefährlicher als ein mörderischer Angreifer, denn sie sind viel subtiler. Solche selbstzerstörerischen Ansichten können sich in deinen Kopf einschleichen und dein Training allmählich langweilig, fruchtlos oder sogar rückläufig machen. Indem du durch das Training schlafwandelst, versetzt du nicht nur deiner Begeisterung einen Dämpfer, du schwächst auch deine Fähigkeiten und verstärkst schlechte Gewohnheiten. Um diese tödliche Falle zu vermeiden, solltest du bewußt mit deinen Trainingsmethoden umgehen. Das bedeutet, dein Training aktiv zu bestimmen, anstatt dich einfach mit den aktuellen Angeboten treiben zu lassen. Um damit anzufangen die Leitung deines Trainings zu übernehmen, denke mal über die folgenden Vorschläge nach.
VARIIERE DEINE TRAININGSPARTNER (UKE)
Trainiere mit soviel verschiedenen Leuten wie möglich. Jeder
potentielle Gegner erfordert, aufgrund des Körperbaus,
Angriffstils, etc. einen etwas anderen Weg zum Sieg. Die
Fähigkeit, die passende Methode herauszufinden und den
Gegebenheiten anzupassen, ist eine entscheidende Fähigkeit.
Und wie jede andere Fähigkeit kann sich auch diese nur durch
praktische Übung entwickeln. Wenn du dich auf einen kleinen
Kreis von Trainingspartnern beschränkst, wird dir der Kern
der Technik entgehen - die universellen Prinzipien, die sie
funktionieren lassen, die körpersprachliche
Rückmeldung, die Aufschluß gibt, wenn eine Technik
angemessen ist und funktioniert. Stattdessen, wirst du nur ein
bestimmtes Set an Winkeln, Distanzen und Reaktionen als
»Schlüssel« zu einer Technik vertiefen. Im Eifer
des Gefechts angesichts eines fremden Körpers und einer
ungewohnten Reaktion, wirst du dann Gelegenheiten verpassen und
versuchen etwas zu erzwingen, das keine Hoffnung auf Erfolg hat.
Wenn du dagegen mit einer Vielzahl von Trainingspartnern
trainiert hast wird dein Körper die entscheidenen Elemente,
die eine bestimmte Technik erfordert und gelingen
läßt, erkennen und angemessen reagieren.
VARIIERE DEINEN TRAININGSORT
Genauso wie das Training mit einer begrenzten Zahl an
Trainingspartnern kann die Gewohnheit tagein tagaus am selben Ort
zu trainieren ein trügerisches Sicherheitsgefühl
erzeugen. Der Körper gewöhnt sich beispielsweise an die
Lichtverhältnisse, die Raumluft, den Boden, visuelle
Ablenkungen etc. und braucht sich den sich verändernden
Anforderungen des Augenblicks nicht mehr anzupassen. Das ist in
Ordnung - sogar günstig - wenn die einzigen Konflikte, in
die du gerätst, an vertrauten Orten und zu vertrauten Zeiten
entstehen (wie bei Wettkämpfen oder Vorführungen). Wenn
dein Ziel jedoch auch nur im entferntesten darauf ausgerichtet
ist diese Kunst auf deinen Alltag zu übertragen, solltest du
einsehen, daß die wirklich gefährlichen Konflikte
diejenigen sind, die entstehen, wo und wenn wir sie am wenigsten
erwarten. Indem du die Anpassungsfähigkeit deiner
Fähigkeiten an vielen Schauplätzen entdeckst, wirst du
improvisationsfähiger, wenn es notwendig ist und weniger
wahrscheinlich durch ungewohnte Umstände aus dem
Gleichgewicht gebracht. Darüberhinaus hält dich die
Abwechslung der Trainingsorte wach und läßt dich das
Training genießen. Die Eindrücke verschiedener
Umgebungen halten die Sinne in der Gegenwart und vermeiden die
Benommenheit »derselben alten Leier«, die deine
Aufmerksamkeit ablenken kann. Und indem du Techniken in einem
buchstäblich anderen Kontext siehst, könnten sich dir
Details offenbaren, die du bisher noch nicht bemerkt hast.
ARBEITE MIT EINER VIELFALT VON THEMEN
Beschränke dich nicht auf die Dinge, in denen du gut bist
oder die dir leicht fallen. Als Faustregel solltest du die meiste
Zeit den Dingen widmen, mit denen du Schwierigkeiten hast. Je
schwieriger dir eine Sache fällt, desto höher sollte
ihr Stellenwert in deinem Training sein. Um diesen Zugang so weit
wie möglich zu erleichtern, wähle einfach einen
Bereich, der dir momentan schwer fällt und einen, der dir
immer Spaß macht. Dann arbeite an der Herausforderung
für etwa 10 Minuten und schließe das Training, indem
du für etwa 5 Minuten in dem Spaß-Bereich
»spielst«. Dieses Vorgehen richtet sich direkt an die
Bereiche, die einer Verbesserung bedürfen, ohne daß
sie dich körperlich oder mental überwältigen.
Außerdem erlaubt dir dieses Vorgehen deine Stärken
geschärft und dich selber bei Laune zu halten, indem du das
Training mit einer positiven Erfahrung ausklingen
läßt.
STELLE DIR EINE SITUATION IN DER REALITÄT VOR
Mach dir bewußt, daß der erfolgreiche Umgang mit
einem Konflikt häufiger das Ergebnis einer ausgeglichenen
inneren Haltung als einer perfekten äußerlichen
Technik ist. Unsere Vorgänger haben uns nicht einfach eine
Reihe mechanischer Bewegungen hinterlassen, die man einfach
nachmacht sie haben uns eine Vielzahl von Situationen
hinterlassen, die man erleben kann. Um die Gefühle, denen
sich unsere Vorbilder in den KATAs stellten zu erleben, nimm dir
immer, wenn du eine übung machst, einen Moment um dir das
zugrundeliegende Szenario bewußt zu machen. Du brauchst
dich nicht auf aufgeblasenes Theater oder alberne Rollenspiele
einzulassen; nimm dir einfach einen Augenblick, indem du
über die Situation, der du gegenüberstehst, nachdenkst.
Vielleicht kannst du dir einen ähnlichen Zwischenfall, in
den du geraten könntest vorstellen... irgendetwas, was
Bedeutung für dich hat. Natürlich solltest du Gedanken
vermeiden, die einen massiven Gefühlsausbruch auslösen
könnten. (Schließlich möchtest du weder dich noch
deinen Partner in Gefahr bringen, indem du dich in etwas
übertrieben hineinsteigerst.) Trotzdem versetze dich soweit
wie möglich in diese Lage während du die Übung
machst. Auf diese Weise wird dein Körper so reagieren, wie
du ihn trainiert hast, sobald die reale Gefahr droht, weil die
Erfahrung »schon mal da war«. Wenn du diese
Komponente - das Herz des Trainings - wegläßt, wird
der Druck einer tatsächlichen Gefahrensituation dich
erstarren lassen oder nur panische und alte, unwirksame
Gewohnheiten hervorrufen. Die geistige Probe und der Einsatz der
Vorstellungskraft sind Taktiken die von Top-Profis in allen
Bereichen genutzt werden. Damit kannst du deine Fähigkeiten
in »Augenblicken der Wahrheit« verbessern, denn
irgendwie bist du dann bereits ein »alter Hase«.
KONZENTRIERE DICH VON ZEIT ZU ZEIT AUF VERSCHIEDENE PUNKTE IN
JEDEM KAMPFSZENARIO (KATA)
Wenn du KATAs immer mit gleichmäßig verteilter
Aufmerksamkeit gegenübertrittst in dem Versuch »das
Feeling für das Ganze zu bekommen«, wirst du deinen
Fortschritt maßlos verlangsamen. Stattdessen sollte ein
Teil deines Trainings darin bestehen ein oder zwei grundlegenden
Punkten innerhalb eines Drills deine volle Aufmerksamkeit zu
widmen. Das heißt nicht, daß du nach tief verborgenen
Lehren oder Geheimnissen Ausschau halten sollst. Vielmehr
bedeutet es, sich wieder zurückzubesinnen auf die
Eckpfeiler, die du schon kennst, (wie Knie beugen, entspannen,
richtige Haltung, etc.) und herauszufinden, wie gut du diese
Dinge in diesem speziellen Zusammenhang umsetzt.
überprüfe dabei, ob du diese Dinge so gut machst wie
bevor dir diese Eckpfeiler so vertraut wurden. Untersuche, ob
deine verbesserten Fähigkeiten und Erfahrungen es dir
erlauben, diese Dinge noch besser umzusetzen als das Mal zuvor.
Untersuche darüberhinaus den Punkt auf den du dich gerade
konzentrierst, um zu sehen wie er sich in der aktuellen
übung darstellt. Erkenne, wie ein bestimmter Punkt
entscheidend für eine Technik sein kann oder von einem
anderen Gedanken abgelöst werden kann. Beachte, wie ein
Konzept von diesem Beispiel im Gegensatz zu anderen Techniken
herausgestellt wird. Um dir dieses Vorhaben zu erleichtern,
probiere es mal mit einer Auflistung der grundlegenden Punkte,
die im Training immer wiederkehren. So kannst du vor jedem
Training ein oder zwei Konzepte für eine nähere
Betrachtung in einem Teil des Trainings auswählen. Doch
Vorsicht: Wenn du verschiedene Schwerpunkte auswählst,
solltest du diese nicht jedes Mal wechseln, wenn du eine KATA
erneut übst. Verbringe eine gewisse Zeit - vielleicht sogar
mehrere Trainingseinheiten - damit einen bestimmten Schwerpunkt
zu unter die Lupe zu nehmen, bevor du weiterschreitest.
Andernfalls zerstreust du nur deine Aufmerksamkeit und
verhinderst Verbesserung.
PROBIER VERSCHIEDENE LEHRER AUS
und stell dir während des Trainings vor, daß du ihren
Ansatz teilst. Es ist reine Zeitverschwendung immer auf die
gewohnte Art und Weise den gewohnten Leuten zuzuhören. Das
ermüdet deine Fähigkeit aufzupassen, mental beweglich
zu bleiben und den Stoff zu analysieren und zu interpretieren.
Stattdessen solltest du bei Gelegenheit unter der Leitung eines
anderen als deines gewohnten Lehrers trainieren.
Darüberhinaus solltest du gegenüber den anderen Lehrern
aufgeschlossen sein. Gib ihren Ideen und Taktiken während
des Trainings einen Vertrauensvorschuß und halte Ausschau
nach den Erfahrungen, die sich von dieser Warte aus auftun. Das
heißt nicht, daß du das kritische Verständnis,
das du dir so hart erarbeitet hast, aufgeben mußt. Vielmehr
bedeutet es offen für eine neue Erfahrung zu sein, so
daß du etwas hast, das du mit nach Hause nehmen kannst um
daraus ein Werkzeug zu schmieden. Später kannst und solltest
du dann das Material/den Ansatz prüfen. Vergleich es mit
dem, was du bisher gelernt hast, und schau welche Lehren du
daraus ziehen kannst, indem du es durch deine gewohnten Filter
sickern läßt. Du solltest herausfinden, was für
dich funktioniert und zu dir und deinen Zielen paßt.
Dafür mußt du aufgeschlossen genug sein, um neue
Informationen aufzunehmen. Diese Informationen kannst du dem
bisher Gelernten einfach hinzufügen, sie verändern oder
mit ihnen das bisher Gelernte weiter untermauern.
DENKE ÜBER DEIN TRAINING NACH
Warum hast du es begonnen? Noch wichtiger, was erwartest du dir
Heute davon? Manchmal nehmen wir Gewohnheiten an, die uns einem
bestimmten Ziel näherbringen sollen und behalten sie einfach
aus Trägheit bei, obwohl das Ziel längst erreicht oder
nicht mehr aktuell ist. Frage dich selber, welcher Bereich des
Trainings dich am meisten packt. Wenn dir die Kampfkunst keinen
Spaß macht, schränkst du deine Entwicklung ein. Welche
Bereiche des Trainings machen dir Angst?
Höchstwahrscheinlich sind das genau die Bereiche, die
inneren oder äußeren Problemen gegenüberstehen,
die dich tief berühren. Diese Bereiche solltest du dir genau
ansehen. Finde heraus, was dich stört und laß dich von
der Reaktion nicht abschrecken. In welchem Bereich des Trainings
verbringst du die meiste Zeit? Ist das so momentan am
effizientesten? Oder vermeidest du Herausforderungen? Und was
möchtest du in einem Jahr erreicht haben? In drei Monaten?
In einem Monat? Indem du dich selber analysierst und
einschätzt, kannst du dein Training auf den
größtmöglichen Nutzen ausrichten ob es dir
um inneren Frieden, um Selbstverteidigung, oder einfach nur um
Spaß geht. So wie du fast am ersten Tag deines Trainings in
dieser Kunst gelernt haben solltest: Nichts passiert, solange du
es nicht anpackst. Das Interesse für etwas wachzuhalten
erfordert Offenheit und Aufwand. Du mußt deinen Verstand
gebrauchen. Wenn du immer nur von einer Sache zur nächsten
springst, während dein Interesse langsam schwindet,
gerätst du wie ein Tier in die Falle. Beobachte mit deinen
Augen, deinem Kopf und deinem Herzen. Dann wirst du den Reichtum,
der vor dir liegt, entdecken.
Der Abdruck dieser Übersetzung geschieht mit freundlicher
Genehmigung von Jason Bell. Das Original dieses Artikels erschien
in dem kostenlosen on-line Newsletter »URA & OMOTE«
(Vol. 2, No. 11, November 1996) von Liz Maryland Hiraldo (Ashidome@aol.com). Eine
vorläufige Version des Artikels erschien in Stephen K. Hayes
»MUSUBI JOURNAL« (Volume 20, No. 4, April 1996).
Jason Bell ist Schauspieler und lebt in New York. Er ist Lehrer
bei »NEW YORK BUDO«, das unter der Leitung von
Jean-Pierre Seibel steht. Für Kommentare ist der Autor unter
der folgenden Adresse zu erreichen: Jason Bell, c/o New York
Budo, 12 West 27th Street, 4th Floor, New York, New York
10001-6903.
Bodyguard: Beschützen einer dritten
Person
Olaf Schawe, DOJO 2000 Münster
Dem Begriff Bodyguard (englisch, Leibwächter) haftet
mittlerweile ein so negatives Images an, daß der Ausdruck
Beschützer viel treffender und für unser
Verständnis logischer erscheint. In den USA hatte ich die
Möglichkeit, Einblicke in die Arbeiten des Beschützers
zu bekommen, Prinzipien zu lernen und anzuwenden. Ich begleitete
Stephen K. Hayes zu mehreren "Details", um die Sicherheit des 14.
Dalai Lama von Tibet während seiner Besuche in den
Vereinigten Staaten zu gewährleisten. Bei einem Detail
(englisch, Einzelheit) wird jede Bewegung des "Protectee"
(englisch, des zu Schützenden) bis in jede Einzelheit
geplant. Diese Planung erfolgt meistens schon Monate bevor der
Gast überhaupt seine Reise antritt. Situationen werden
durchgespielt und Kontakte zu örtlichen Behörden
(Flughafen, Polizei, usw.) sind unerläßlich, um alles,
d.h. jede Einzelheit zu koordinieren und damit einen
reibungslosen Ablauf zu garantieren. Die Kunst dabei ist,
innerlich konzentriert und ruhig zu bleiben, damit nicht in jedem
plötzlich ein Attentäter gesehen wird.
Auch im alltäglichen Leben entstehen Situationen, in denen
die Prinzipien des Beschützers angewandt werden können.
Zum Beispiel die Auswahl des Sitzplatzes in der
Öffentlichkeit (Restaurants, Ämter,...) ist eine der
Grundlagen, sich weniger Gefahren auszusetzen. Der Tisch in der
Ecke mit Blick zur Tür ist dem in der Mitte vorzuziehen. Von
hier aus hat man den Überblick und kann notfalls rechtzeitig
handeln und sich zurückziehen. Weite Treppen statt enge
Fahrstühle ohne Ausweg, Schwing- statt Drehtüren, die
als Mausefalle zuschnappen können, belebte
Hauptstraßen statt einsame Nebenstraßen und weiter
Blick nach vorne statt Tunnelblick zum Boden sind einige der
Fähigkeiten, die zum wachsamen Menschen und zum
Beschützer gehören.
Um das ganze spannender zu gestalten, bietet es sich an, Eltern,
Verwandte, Partner oder Freunde als Beschützer zu begleiten.
Es bleibt einem selbst überlassen, ob der zu
Beschützende informiert wird oder nicht. Dieser wundert sich
höchstens über den äußerst galanten und
zuvorkommenden Begleiter. In Wirklichkeit trainiert der Begleiter
seine Beschützer-Fähigkeiten. Dabei kann er sich gut
auf sein Gefühl verlassen und sich zwischen den zu
Beschützenden und andere Personen schieben. Hier ist sanftes
Taijutsu gefragt, da nicht jeder, der zufällig den Weg
versperrt niedergeschlagen werden kann. Da wäre der
Beschützer nicht lange unterwegs, bis er von der Polizei
"eingesackt" würde. Geschicktes Timing und Positionieren
steuert den zu Beschützenden und die fremden Personen ganz
natürlich aneinander vorbei, ohne daß irgendeiner
bemerkt, daß sein Weg gelenkt wurde. So hält man
Fremde fern, ohne Aufsehen zu erregen. Nach längerer
Anwendung stellt sich ein Bewußtsein ein, mit dem die
Bewegungen der Personen vorauszusehen sind. Damit wird das
Beschützen noch einfacher und spannender. Bleibt kaum noch
zu erwähnen, wie sich diese Übung auf Euer TAIJUTSU
auswirken wird. Hier besteht die Möglichkeit nicht nur im
DOJO zu trainieren, sondern sich auch im Alltag zu verbessern.
Also ich denke viele von Euch werden sich nun den Einkaufsbummeln
der Zielpersonen anschließen, und sich dem Beschützen
widmen. So wird aus dem Langweilen ein aufregendes und
lehrreiches Training. Viel Spaß!!! P.S.: Wenn Ihr noch
Fragen habt, meldet Euch doch bei mir...
In allen Kampfkünsten, besonders im Ninpo, ist der Aspekt
der Bein- und Fußarbeit äußerst wichtig. So
schreibe ich über althergebrachte Methoden. Niemand ist
erfreut über die Kälte, auch nicht der Ninja, und so
trug er zu jeder Jahreszeit Tabis, die japanischen Socken, welche
die Füße warmhalten.
Die Füße sind der Schlüsselpunkt, um den
Körper warm zuhalten und die Gesundheit zu erhalten. In der
asiatischen Medizin gibt es die Aussage "ZUKAN SO KUNETSU",
welche soviel bedeutet wie "Halte den Kopf kühl und die
Füße warm." Das ist essentiell, um die Gesundheit zu
erhalten und bei Krankheit die Genesung zu unterstützen.
Zur Verstärkung der 'Mannhaftigkeit' und dem Erhalt des
Wohlbefindens massierten die Ninjas ihre Füße, indem
sie die drei ersten Zehen ergriffen und drehten bzw. kreisten.
Auch die Kunoichi praktizierten diese Methode, um ihre Gesundheit
zu verstärken. Sie ist gut für die Leber, die
Bauchspeicheldrüse und die ganzen Eingeweide. Die
unterschiedlichen Massagemethoden beinhalten das Reiben der
Zehenspitzen, um eine gute Durchblutung zu fördern und die
Systeme energetisch auszugleichen.
Die Ninja warfen harte Erbsen auf den Boden und trainierten auf
ihnen. Das unterstützte die Fußmassage und
härtete ihre Füße gleichzeitig ab.
Fortgeschrittene Ninja lernten den Gang auf der HISHI, der
Wassernuß, ohne sich zu verletzten. Das war nur
möglich, weil sie nicht nur ihre Füße
abgehärtet hatten, sondern weil sie mit perfektem
Gleichgewicht und höchster Leichtigkeit zu Laufen gelernt
hatten. Das Gewicht wurde dabei so verteilt, daß sie die
stechenden Unebenheiten kaum berührten.
Laufen ist eine exzellente Lektion. Man kann es überall und
jederzeit praktizieren. Wenn ich jeden Tag mit meinen drei Hunden
spazieren gehe, laufen wir immer auf verschiedene Arten. Mal
schneller, mal langsam, mal nur kurz oder durch unebenes
Gelände. Eine gute Art zu üben.
Auf der Straße ergibt sich manchmal die Gelegenheit, eine
Katze oder etwas anderes, was die Aufmerksamkeit der Hunde
erregt, zu treffen. Immer laufe ich mit Voraussicht und halte die
Kontrolle über die Hunde. Niemals verliere ich das
Gleichgewicht durch ein schnelles Ziehen einer der Hunde. Auch
achte ich darauf, daß die Leinen sich nicht vermischen oder
verknoten.
Vor Zwei Jahren gab ich ein Seminar in Dayton/Ohio. Die Mehrzahl
der Studenten bewegten sich wie 'Frankenstein' und nicht wie
wahre Kampfkünstler. Sie empfanden kurze schnelle Schritte
als äußerst schwierig. Viele dachten, daß ich
besonders schnell laufe, aber ich erklärte ihnen, daß
in Japan die Füße als das 'zweite Herz' betrachtet
werden, und ein starkes Herz zu haben, bedeutet, einen starken
Geist zu besitzen. Und so entwickelt der Ninja beim Laufen auch
seinen Geist.
Laufen ist das wichtigste im Leben. Besonders im klassischen "NO"
wird es so empfunden. Wenn man wie ein Ninja läuft und die
Methode des Laufens stark entwickelt ist, scheint es, daß
die Füße beim Laufen nie den Boden berühren. Es
ist dann so, als ginge der Ninja durch die Luft.
Einer meiner Schüler, der eine meiner Demonstrationen
beobachtete, sagte: "Sensei, ihre Füße berühren
gar nicht den Boden. Es scheint so, als ob sie durch die Luft
fliegen." Ein anderer Student, der ein professioneller Soldat war
und auch am Krieg teilgenommen hatte, sagte, daß in seinem
Land immer die Beine trainiert werden und daß er die
Treppen anstelle der Aufzüge benutze. Als ich das
hörte, wußte ich, daß er ein guter Kämpfer
war.