SHIN-DEN NO MICHI Infoblatt

Nachfolgend findet ihr Berichte und Artikel aus dem Infoblatt

 Das Shinden No Michi Festival 2004 vom 09. - 11. Juli 2004
 Gedanken zu Shinden No Michi aus aktuellem Anlaß
 Erlebnisbericht Japan
 Shingon-Buddhismus in Mainz
 Behandlung von Schußverletzungen nach Jimmy Zerylnick
 TAIKAI 1998 Levico Terme, Italien
 "Flexible Weapons", ein Workshop mit Brin Morgan in Bonn
 Bericht über das Seminar mit Bud Malstrom (22./23.11.97, Landgraaf, NL)
 Die Bedeutung des Ninja im 20. Jahrhundert
 Über leere Schalen und schaale Lehren I
 Tips, die Dein Training frisch halten
 Bodyguard: Beschützen einer dritten Person
 Der NINJA, der durch die Luft geht


Das Shinden No Michi Festival 2004 vom 09. - 11. Juli 2004
Nicolas Huthloff, GoKiTo - Dojo Bruchsal 07.08.2004

Trotz guter Wegbeschreibung ( die ich mir nur leider nicht aus dem Internet herunter geladen hatte) kam ich mit Hilfe meines Navigationssystems am richtigen Berg an. Nur auf der falschen Seite. So wartete ich dann bis Marc Jahan, der Ausrichter des Festivals und Leiter des Ninpo - Saar Dojos mich mit seinem geländegängigen Toyota abholte und nach Einsammeln weiterer verlorener Schäfchen uns dahin brachte wo wir unsere Autos für das Wochenende abstellen konnten. Es regnete kurz aber heftig, einige sehnten wohl schon das Training in der trockenen Halle herbei. Nichts desto trotz luden wir unsere Sachen in Marcs Auto ein und ich hatte das Glück (oder Pech) mit Ihm den Berg über Stöcke und Steine und gewisse für normale Autos nicht geeignete Steigungen den engen Waldweg bis zu dem Bauernhof zu fahren neben dem auf einer Wiese das Festival dieses Jahr stattfinden würde, während andere zu Fuß gehen mussten. Trotzdem dass wir dem Zeitplan bereits hinterherhinkten mussten wir noch ein Paar Vorbereitungen abschließen. Neuankömmlinge bauten Ihre Zelte auf während andere einen Trainingsunterstand bauten. Dieser Trainingsunterstand bestehen aus Holzstöcken, Heringen, Schnur und einer wasserdichten Plane sorgte dafür dass das Seminar im wahrsten Sinne des Wortes nicht ins Wasser fiel, beziehungsweise man nicht in der Halle trainieren musste. Der Wettergott hatte für dieses Wochenende wechselhaftes April - Wetter bestimmt. Viel Regen wechselte sich mit wenig Sonne ab begleitet genauso vielen Temperaturschwankungen . Alls es dann losging waren alle begeistert dabei, für jeden war etwas dabei: Tantojutsu, Taihenjutsu, Gotonpo, Hanbojutsu, Mutodori, Daisho Jutaijutsu, Bojutsu, Taijutsu, Kyujutsu standen auf dem Festival Programm. Weder das Wetter noch die zahlreichen Kuhfladen auf der Wiese ließen uns verzagen, bei zu starken Regen trainierten wir uns unter dem "Regendach" das bis zum Ende seine Dienst klaglos verrichtete bis der am Sonntag stärkerer Wind (wenigstens bei Sonnenschein) die Plane dann etwas zum Reisen brachte. Abends zeigte sich Marc wie immer als perfekter Gastgeber und lud alle zu ausreichend Schwenker und Würstchen am Lagerfeuer ein. Auch für Getränke war gesorgt so dass alle Ninjas weder Durst nicht Hunger leiden mussten. Nachdem das Festival nun leider zu Ende ist bleibt uns nur die Vorfreude auf nächstes Jahr und der Dank an Marc Jahan, Katja Will, Luthger Stahlkamp, Michael Korbl , Andrea Rees, Mike Wiessner und Olaf Schawe für eine tolle Veranstaltung.

Gedanken zu Shinden No Michi aus aktuellem Anlaß
Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz

Hallo liebe Freunde! Ich nehme das jetzige Festival zum Anlaß, ein paar Worte an Euch los zu werden, die mir schon seit einiger Zeit am Herzen liegen. Shinden No Michi. Wenn ihr euch erinnert: wir haben diese Idee 1992 geschaffen, um Ninpo von Herz zu Herz zu lehren, weiter zu vermitteln und auch zu leben. Dieser Kreis ist nicht reglementiert durch irgendwelche Regeln, die jemand aufgestellt hat, sondern hat eigentlich nur zum Ziel, Ideen auszutauschen, Techniken zu üben, gute Lehrer zu organisieren, den Dojos Hilfe anzubieten, was Strukturen wie Prüfungsordnungen, Techniksammlungen, Verständnis von Prinzipien angeht und nicht zuletzt Freundschaften zu pflegen. Es war schon immer eine nie eingeschränkte Freiheit über die Wahl der Lehrer gültig. Was wir jedoch immer gefördert haben, ist eine kritische Einstellung zu allen Lehrern und ihren Statements. Die Zeiten seit damals haben sich geändert. Unser erster Lehrer (Stephen Hayes) geht eigene Wege. Bud Malmstrom hat sein Dojo geschlossen. Wir haben in Europa mittlerweile eine Anzahl von guten Lehrern, die gute Techniken vermitteln und Einblick in ihre Erkenntnisse geben. Das Angebot ist so groß, daß viele gar nicht mehr wissen, wo sie zuerst und überhaupt hingehen sollen. Durch das Überangebot von Lehrgängen von Brin Morgan z. B. überlegen sich viele, ob sie noch zu Lehrern wie Bud Malmstrom aus Übersee gehen sollen. Zumal Brin scheinbar billiger ist und gute Lehrgänge anbietet. Das ist sicher jedem seine eigene Entscheidung. Jeder muß seinen Lehrer suchen und finden. Was ich jedoch sehr schade finde, ist, daß bei diesen ganzen "rationalen" Entscheidungen und Vorlieben für bestimmte Lehrer unsere Idee untergeht. Durch Shinden No Michi hätten und haben wir das Forum, unterschiedliche Erfahrungen und gelernte Fertigkeiten auszutauschen. Niemand kann alles besuchen und lernen. Aber viele Leute können unterschiedliche Richtungen verfolgen und sich dann austauschen. So, wie ich es in meinem Dojo schon lang praktiziere und eigentlich gehofft hatte, daß es im großen Kreis von Shinden No Michi ebenfalls getan wird. Die Gelegenheit dazu wäre z.B. das Festival, das jetzt nicht mehr unter dem Motto eines Spektakels mit einem möglichst prominenten und teuren Lehrer steht, sondern hier unterrichten viele von uns, von Shinden No Michi, diese Dinge, die sie gelernt und erfahren haben und bereit sind, weiter zu geben. Das ist für mich die Gelegenheit, neue Dinge zu lernen, neue Perspektiven zu erlangen, Gedanken und Ideen auszutauschen oder einfach wieder einmal Freunde zu treffen. Es ist auch die Freude, das mit euch zu teilen, was ich gelernt habe. Ich mache mittlerweile seit 19 Jahren Ninjutsu und habe für mich erfahren, daß nicht die Ansammlung der Techniken mich weiterbringen auf dem Weg, sondern der Austausch mit anderen, die auch suchen und lernen. Ich stelle mit Bedauern fest, daß nur wenige ähnlich denken und vor allem handeln. Deshalb mein Appell vor allem an die "jüngeren" Schwarzgurte, Dojoleiter, von deren Meinung die Schüler natürlich beeinflußt sind: Laßt euren Schülern die Freiheit, die es euch erlaubt hat, sich dahin zu entwickeln, wo ihr jetzt steht und gebt ihnen die Ermunterung und Unterstützung, die sie brauchen um die Chancen dazu zu erkennen und wahrzunehmen. So ein Festival, wie es dieses Jahr geplant ist, bietet nicht nur die Möglichkeit des Austausches unter den Lehrern und erfahrenen Schülern, sondern auch die Gelegenheit für Anfänger, neue Dinge zu lernen und die Gemeinschaft zu erfahren, die Ninjutsu zumindest im Sinne von Shinden No Michi immer noch von anderen Kampfkunst-Events unterscheidet. Ich möchte dies nicht verstanden wissen als eine Kritik oder ein "ins Gewissen reden" sondern nur als Anregung, über den den eigentlichen Gedanken unserer Gemeinschaft neu nach zudenken und die Möglichkeiten zu sehen, die sie uns bietet. Und ich wünsche mir einfach mehr Offenheit gegenüber Einstellungen und Trainigsweisen anderer. In diesem Sinne eine schöne Sommerzeit und gute Erfahrungen auf den Lehrgängen, die ihr besucht. Ich würde mich auch über einen gelegentlichen Kontakt oder eine Rückmeldung zu meinem Artikel freuen.
Ninpo Ik-kan, Michael.
(Mai 2001)


Erlebnisbericht Japan
Oliver Bertram/Gilbert Buß, DOJO YAMANEKO, Mainz

Erlebnisbericht Japan Anreise Gilbert: Nach einem ewig dauernden Flug von Frankfurt über Zürich nach Tokio Narita Airport war ich sehr aufgeregt das Land zu betreten, daß mich seit früher Kindheit immer fasziniert und „beeinflußt“ hat (zumindest das was ich davon erfuhr). Japan das Land meiner (Tag-) Träume, Vorstellungen vonTugend, Ehre, Kunst und Kultur. Doch mein Hauptziel war Hatsumi Masaaki aufzusuchen um bei ihm zu lernen. Erste sprachliche Schwierigkeiten ergaben sich dann bei den Einreiseformalitäten, die aber nicht dramatisch waren. Dank der Informationen die ich von Dieter Kania und Brin Morgan erhielt, war die grobe Richtung in der ich mich begeben mußte klar. Um nach Noda Chi zu gelangen, musste ich dreimal umsteigen. Es geht auch ohne die japanische Sprache zu können, aber die paar Brocken, die ich mir angeeignet hatte, vereinfachten die Reise erheblich. Verfahren habe ich mich nicht, aber dennoch war über die ganze Fahrt hinweg eine gewisse Aufregung in mir. Samurai, Kimonos und Geishas, die auch einen großen Teil meiner Träume ausgemacht haben, begegnete ich (zum Glück?) nicht. Enttäuscht war ich deshalb nicht. Durch eine gute Vorbereitung, die auch Interviews mit Japan-Riesenden beinhalteten, wurde ich gut auf das vorbereitet, was mich hier erwartete. Eine große Kuriosität war ich nicht, eher mein großer Rucksack und meine Tasche mit Bo, Bokken usw. Aber dennoch sah ich hier und da neugierige Blicke der Fahrgäste, die nicht aufdringlich sein wollten. Dabei tat die unvoreingenommene Neugierde der Kinder ganz gut. Jemanden in die Augen sehen und anlächeln und auch ein Lächeln zurückbekommen. Der Ausblick aus dem Zug gab mir den Eindruck einer Gegend, die sich nicht auf einem hohen technischen Standard befindet. Zumindest war dies meine persönlicher Eindruck. Noda Chi unterschied sich dieser Hinsicht nicht von den Orten die ich bereits vom Zug aus gesehen habe. Alles war Zwar aufgeräumt und es flog kein Müll durch die Gegend, aber eine gewisse Erscheinung des Gebrauchs und Alters war deutlich zu sehen. Das war ein großer Pluspunkt für die Stadt. Wenn ich was nicht mag, dann sind dies ausgefeilte, sterile Bankenviertel, die nicht leben. Hier war Leben ein gemütlicher vor sich hinplätschernder Alltag. Nach kurzer Orientierung, Suche und einmal nach dem Weg fragen, fand ich Azusa`s Inn nach kurzer Zeit. Anreise Oliver Als ich dann endlich nach ca. 12 Stunden Flug in Japan landete, war ich schon ziemlich aufgeregt. Zumindest war ich etwas beruhigt, daß ich ohne Probleme die Gepäckausgabe fand. Auch den richtigen Bahnsteig nach Noda-shi zu finden, erwies sich als nicht allzu schwer. Ich saß also im richtigen Zug und Japan empfing mich mit strahlendem Sonnenschein. Die Landschaft war eher ländlich und vermittelte mir nicht den Eindruck in einem Hightech-Land zu sein. Ab und zu sah ich ein einen Tempel oder ein paar Bauernhäuser, die eigentlich dem typischen Japan-Klischee entsprachen, da sie recht klein, urig und (soweit aus dem Zug zu erkennen) lediglich aus Holz und Papier gebaut waren. Meine gute Laune erhielt allerdings einen kleinen Dämpfer, als ich beim dritten mal umsteigen feststellte, dass in diesem Bahnhof alle Stationsnamen nur in Kanji angeschrieben waren. Also stand ich erst mal ratlos rum, bis ich mich dazu durchgerungen habe, alle Kanjis auf der Wegbeschreibung mit den Kanjis im Bahnhof abzugleichen. Nach ca. 5 Minuten kam jedoch ein Japaner auf mich zu, der mich freundlich fragte: Can I help You? Das Angebot nahm ich natürlich dankend an. Er führte mich auch in die Funktionsweise der japanischen Fahrkartenautomaten ein. Schließlich kam ich in Noda-shi an, wo mich Gilbert schon erwartete. Azusa`s Ryokan Der erste Eindruck war nicht gerade vielversprechend, aber dieser relativierte sich recht schnell und wurde ins Gegenteil gewandelt. Ich erhielt ein Zimmer mit einem Bett, Nachttisch und einen Fernseher. Alles in allem sehr bunt. Zusätzlich hatte ich eine Klimaanlage, die auch gut funktionierte (zum glück, im März ist es nicht gerade warm). Die Frau die mich empfangen hatte war sehr nett und zuvorkommend und bemühte sich trotz der mangelnden English Kenntnisse mir alles zu erklären, was sie auch schaffte. Spätere Erfahrungen zeigten, daß wenn „die Japaner“ (denen ich begegnete) keine andere Sprache konnten (d.h. für sie richtig gut) wurde vermieden, mit mir Kontakt aufzunehmen. Das Haus in dem ich nun untergebracht wurde, war sehr verwinkelt und jeder Platz wurde genutzt. Es hatte sieben Räume von unterschiedlicher Größe. Ich fand heraus, daß ein Zimmer wie das meinige eigentlich für zwei gedacht war bzw. so viel wie geht. Das Haus besaß eine Waschgelegenheit, Waschmaschine, Trockner Kühlschrank und eine Mikrowelle. Aber das Bad war das beste. Vierundzwanzig Stunden am Tag heißes Wasser, das ständig erneuert wurde. Gebrauchsanweisung: Ohne Schlappen ins Bad eintreten, gründlich abseifen und duschen, dann den Deckel von der Wanne entfernen und sauber und frisch in das vierzig Grad warme wasser eintauchen und genießen. Die Wanne war nicht groß, d.h. man konnte sich nur reinsetzen aber dabei ging einem das Wasser dann auch bis über die Schultern. Ich muß sagen, es ist ein sehr angenehmes Gefühl, sich in dieser Position zu Baden und zu Entspannen. Nachdem ich mich in meinem Zimmer eingerichtet hatte, überlegte ich, was ich nun tun sollte und entschloß mich, nach einem Training zu suchen. Ein paar Adressen und Telefonnummern, die ich von Dieter erhalten habe, zeigten, daß Herr Nagase Samstags Unterricht hielt. Ich versuchte, eine andere Dame des Hauses dazu zu bewegen, für mich dort anzurufen. Also versuchte ich es wieder mit meinem „Japanisch“ und nach dem zweiten Anlauf konnte ich mich verständlich machen und sie rief insgesamt vier Nummern an, bis sie für mich die richtige fand. Herr Nagase bot mir an, mich vom Bahnhof eines anderen Ortes für das Training abzuholen und so hatte ich bereits am ersten Tag in Japan Unterricht „an der Quelle“. Training Das Training war meistens zweimal täglich, sowohl bei Hatsumi-Sensei, als auch bei anderen Lehrern. Hatsumi-Sensei unterrichtete Koppo Jutsu Shoden no Maki, also das unterste Level von Koppo Jutsu. Hatsumi hat gesagt, er unterrichtet keine Techniken von Koppo Jutsu, sondern will das Gefühl vermitteln. Jedenfalls waren wir vom Training überrascht. Wir hatten mit harten Techniken und Schlägen gerechnet, aber es waren sehr „sanfte“ Techniken. Ohne harte Blocks, vielmehr „weiches“ Aufnehmen der Angriffe. Jede Technik wurde zuerst ohne und dann mit allen Waffen ausgeführt. Der Unterricht war einfach anders. Mag sein, das es daran lag in Japan zu sein. Andererseits auch das Gefühl an der Quelle zu sitzen so viel Information wie möglich mitzunehmen. Der Unterricht bei Herrn Nagase war ein guter Einstieg. Gutes Aufwärmen und dann verschiedene Ausweich- und Kontermöglichkeiten. Nach dem Unterricht unterhielt ich mich noch kurz mit den Mitschülern. Dort erfuhr ich dann von weiteren Unterrichtsstunden am Sonntag. Sonntags gab es dann zwei Unterrichtseinheiten: Bei Soke Hatsumi und danach bei Herrn Nagato. Das Jahresthema ist KOTO-RYU. Durch einige Seminare und durch den Unterricht im eigenen DOJO hatte ich eine wage Vorstellung über KAMAE und TAIJUTSU dieser Schule. Diese Vorstellung wurde in den ersten Momenten des Unterrichts schnell und deutlich widerlegt. Die Vorstellung KOTO-RYU werde unbarmherzig auf die Knochen gehen wurde in dieser Hinsicht widerlegt aber dafür war es ganz schön anstrengend für den Kopf. Einzelheiten des Unterrichts wäre hier etwas müßig zu beschreiben und kompetent fühle ich dafür auch nicht. Ich kann nur sagen es ging um Timing, Rhythmus und KUKAN. Vor allem hatte ich dabei die ganze Zeit das Bild eines Schmetterlings im Kopf. Der Unterricht bei Herrn Nagato war dafür etwas Härter aber dennoch auch für den Kopf anstrengend. Zuerst dachte ich das daß alles zu viel ist aber nach ein paar Tagen fließen die Bewegungen wie noch nie. Aber ich hatte den Eindruck, daß viele nicht aufnahmen, was dort unterrichtet wurde. Alle blieben in ihren alten Trott. Mag sein, daß ich diesen Eindruck auch auf die Anderen machte, aber von meinem Gefühl her realisierte ich auch, was unterrichtet wurde (zumindest die physische Ausführung). Der Unterricht bei Herrn Noguchi war ebenfalls ein Erlebnis. Sehr dynamisch, aber gut nachvollziehbar und viele viele „gemeine“ Tricks. Hier wurde einem auch die Dynamik der KAMAEs, in ihrer Anwendung verdeutlicht. Herr Shiraishi machte einem die Wichtigkeit der Balance bewußt: sowohl die eigene, wie auch die des Gegners. Man darf den Unterricht nicht verkennen: sehr viele Details. Ich möchte hier nicht als der große allwissende Kritiker dastehen, aber viele in seinem Unterricht sehen nicht, was sie verfehlen. Als mein Freund eine Woche später ankam, konnte ich an ihm den gleichen Wandel beobachten, wie an mir zuvor. Zwei Wochen Unterricht verwandelten meine Einstellung der ganzen Kampfkunst gegenüber Weitere Reise Wenn wir mal gerade nicht trainierten, haben wir Tokio und die Umgebung erkundet. Tokios Innenstadt (4-spurige Straßen) ist recht hässlich, und sieht so aus, wie jede andere hässliche Großstadt auch. Bemerkenswert ist dennoch, daß unter den Straßen eine „Schnellstraße“ für Passanten existiert, die fast ebenso hoch frequentiert wird, wie die Auto-Straßen. Ach ja, die U-Bahn. Also das U-Bahn-System ist recht leicht zu durchschauen, ähnlich dem in London. Allerdings sollte man die Rush-Hour vermeiden. Als wir dann doch einmal zu einer geschäftigeren Uhrzeit auf einen Bahnsteig kamen, sahen wir zu unserem Erstaunen, daß die Fahrgäste in Reih und Glied an markierten Punkten stand: in Zweierreihe. Es erscheint überaus praktisch, aber dennoch wehrte sich ein Gefühl in mir, mich diesen Reihen anzuschließen. Lieber warteten wir mit einigem Abstand, um dann einzusteigen. In der U-Bahn zeigte sich ein ähnliches Bild: Oliver und ich standen mit vollem Gepäck (jeweils 20 kg Rucksäcke und ein Bo zum wandern) in einer U-Bahn, die mittelmäßig gefüllt war. An einer Haltestelle drehten sich die Fahrgäste (außer uns) wie auf Kommando alle mit dem Gesicht zu den sich gerade öffnenden Türen. Daraufhin stiegen Massen ein, die sich ebenfalls zur Tür drehten und sich dicht an dicht dazugesellten. Nur wir standen kreuz und quer (wenn das überhaupt zu zweit geht, so haben wir das geschafft) und erhielten auch entsprechende Blicke der anderen Fahrgäste. Das Austeigen wurde ein Spaß... Ein Ausflugsziel der Tokyoter ist z.B. Takaoyama, auf dem sich ein riesiger Tempel befindet.

Der Tempel liegt inmitten eines riesigen Zedernwaldes in dem es der Sage nach von Tengus wimmeln soll. Dieser Trip ist wirklich empfehlenswert und der Aufstieg durch urige Wälder nicht sehr anstrengend, man sollte aber das Wochenende vermeiden und relativ früh starten, weil es doch sehr voll werden kann. Auf den Takao-Yama führt natürlich eine Straße und eine Seilbahn hoch, was sich natürlich auch mehr an der vielfachen Menschenmenge auf der Höhe zeigt , als auf den Wanderwegen. Die Tempelanlage ist sehr beeindruckend. Sie gehört der Tendai-Sekte an und ist dementsprechend bunt und sehr schön anzusehen. Das faszinierende an diesen Tempeln sind die vielen Details, die im Falle einer Zerstörung genauestens wieder rekonstruiert werden. Hier hätte ich gern mehr Informationen gehabt, weil es auch den Anschein hatte, daß die Tengus verehrt wurden bzw. eine bedeutende Rolle spielten.
Natürlich hatten wir auch Kontakte zur sagenumwobenen YAKUZA. Als wir vor einer Bank standen und Geld abheben wollten, stieg aus `nem aufgemotzen Kleinbus der Fahrer aus und laberte uns zu. Als wir ihm verständlich machten, dass wir aus Deutschland kommen und nix verstehen, öffnete er die Seitentür und sofort kamen zwei nette Mädels raus, deren Outfit eindeutig auf ihren Beruf schließen ließ... Naja, wir haben das Angebot jedenfalls dankend abgelehnt. Die Länge (oder sollte ich besser sagen die Kürze) der Röcke ist auch etwas, was uns sehr (angenehm) verwunderte. Wir waren zu einer Jahreszeit in Tokyo, in der es nicht ganz so warm war, aber die Schulmädchen liefen mit soooo kurzen Röcken rum ... das war unglaublich. Für alle, die mal ein Auge auf nette Beine werfen, waren die Bahnen ein Paradies. Nach einer Woche Noda-shi fuhren wir mit dem Nachtbus (weil billiger und es ging kein Tag nur für den Ortswechsel verloren) nach Iga-Ueno. Morgens um 6 kamen wir am Bahnhof an und machten uns auf den kurzen Weg zur kleinen aber feinen Burg. Sie befindet sich in einer kleinen Parkanlage. In der Burg ist ein Museum, das Ausstellungsstücke aus dem alten Japan zeigt, wie z. B. Samurairüstungen, Bogen, Sänften,... In unmittelbarer Nähe befindet sich auch eine Gedenkstätte für Basho, einen berühmten jap. Dichter (und vielleicht sogar Ninja), und das weitbekannt Ninja-Museum. (Na Marc, neidisch?)
Es ist als traditionelles Bauernhaus gebaut mit diversen Geheimtüren und Verstecken für Waffen. Ein Ninja (weiblich) in pinkfarbenen Anzug demonstriert mit langweiligem und genervten Gesichtsausdruck die Funktion der Geheimtüren. Diese Geheimtüren könnten einem auch verborgen bleiben, wenn da nicht die deutlichen Spuren des täglichen Verschwindens wären. Leider gönnte man uns (und den anderen Gästen) nicht die Möglichkeit mit Muße in dem Haus zu stöbern, da schon der nächste Schub wartete. Es gab noch mehr zu sehen, was wir durch einen kleinen vorherigen Einblick entdeckten.

Sehenswert hingegen ist die Waffenausstellung. (Im Internet übrigens unter www.mpd.co.jp/net/ninja/english/menu.html Apropos Ninja, in Iga-Ueno wimmelt es nur so von Ninjas. Selbst auf den Kanaldeckeln sind sie abgebildet. Hier wird versucht „den Ninja“ in eine harmlose der allgemeinen Belustigung dienenden Gestalt zuwandeln. Durch die mangelnden Übersetzungen (leider nur eine kurze Englische Übersetzung der Namen und Verwendung) in andere Sprachen können wir nicht beurteilen, in wie weit die Dokumentation auch in geschichtlicher Hinsicht informativ ist. Nach einer Nacht im Schlafsack am Fuß der Burg ging es mit dem Zug weiter nach Kyoto. Das einzige Transportmittel in Kyoto sind die öffentlichen Busse (und ein paar U-Bahn- Strecken, die aber extra kosten), was mit `nem riesen Rucksack und diversem Trainingsgerät doch recht abenteuerlich ist. In Kyoto gibt es noch Ecken, in denen das „alte Japan“ noch lebt. Urige Straßen, alte Samuraihäuser und Geishas. In Kyoto könnte man wahrscheinlich Monate verbringen, wenn man sämtlich Tempel besichtigen will. Tempel gibt es praktisch überall, in Parks, an Seen und erstaunlicherweise mitten in der Einkaufsstraße. Wir haben aus Zeitmangel leider nur einige Tempel besichtigen können.
Auch den Besuch eines alten japanischen Badehauses haben wir uns gegönnt, was sich als nettes Abenteuer herausstellte. Nachdem wir also das Badehaus und dann auch den Eingang gefunden hatten, wussten wir nicht weiter. Am Empfang sagte/zeigte man uns die Preise und fragte uns, ob wir Handtücher dabei hätten. Positiv überrascht durch eine solche Fürsorglichkeit, fragten wir, wie wir uns denn in diesem Badehaus zu verhalten hätten? Die Frage wurde mit einem unsicheren Lächeln und verzweifelt fragenden Augen beantwortet. Wir folgten einfach dem nächsten Badegast und wollten ihm alles nachmachen. Nach dem umziehen hatten wir ihn leider bereits verloren und waren auf uns gestellt. Begleitet von einigen Blicken versuchten wir so unauffällig zu sein, wie es nur ging (alle schwarze Haare nur Gilbert einen Kopf größer mit blonden langen Haaren ... hm ... das wird schwierig). In diesem Badehaus befanden sich mehrere heiße Wasserbecken im Innern des Hauses und ein Kaltwasserbecken mit Wasserfall im Außenbereich. An einer Wand befinden sich ungefähr in Brusthöhe Duschköpfe. Man nimmt sich einen Plastikschemel, setzt sich unter den Duschkopf, der dann genau die richtige Höhe hat und beginnt sich ausgiebig einzuseifen. Ausgiebig heißt wirklich ausgiebig, da sich die Japaner ca. ne halbe Stunde mehrfach einseifen, abduschen und wieder einseifen, bis sie sich endlich ins heiße Wasserbecken setzen (ohne eine Miene zu verziehen). Aber alles in allem bewältigten wir diese Hürde ganz gut (mit kleinem Ausländerbonus) und konnten dieses Bad so richtig genießen. Als weiteres Highlight unseres Kyoto-Aufenthaltes werten wir den Aufstieg und die Übernachtung auf dem Mount Hiei. Der Aufstieg erfolgte auf abenteuerlichen Wegen und war recht schweißtreibend. Dafür entlohnte uns dann der Ausblick auf Kyoto. Der Tempel auf dem Mount Hiei war etwas enttäuschend. Wir hofften mehr Infos über die Vernichtung der Tempel durch Oda Nobunaga zu erfahren, aber über dieses Gemetzel wurde kein Wort verloren. Während der Nacht auf dem Mt. Hiei waren uns die Bergdämonen wohl nicht recht gut gesonnen, da sie unser wärmendes Feuer und unsere eigene Körperwärme mit stürmischen Winden davon wehten. Zwecks Wärmewirkung wurde daraufhin der Biwaksack mit Stroh vollgestopft, was zwar in der Nacht lästig knisterte, aber eine wohlige Wärme zuließ.
Am letzten Wochenende ging’s mit dem Zug weiter nach Osaka. In Osaka herrschte gerade Kirschblütenfest und in den riesigen Parkanlagen um die Burg wimmelte es von Japanern die unter den blühenden Kirschbäumen picknickten. Vielleicht lag es auch daran, dass Wochenende war... Außerdem gab es zu unserer Freude ziemlich viele kleine Essensbuden, die mächtig leckere Sachen verkauften. Kleine Fleischspieße, gefüllte Teigtaschen,... In dem riesigen Hauptturm der Burg ist mal wieder ein Museum untergebracht. Leider alles auf japanisch. Aber vom Turm hat man einen imposanten Überblick über Osaka. Um in die Burg zu gelangen wurden wir aufgefordert (von einem Gepäckdienst) gegen ein kleines Entgeld unsere Rucksäcke abzugeben. Ein wissendes Grinsen unsererseits als wir dem Angestellten unsere Rucksäcke reichten, der uns seinerseits wahrscheinlich zurückgrinsend verfluchte. Gleiches Spiel beim Abholen. Wir haben zum Abschluß unserer Reise noch mal am Fuß der Burg gepennt, was niemandem auffiel. Entweder waren alle so betrunken (und das waren einige bestimmt), oder unser Biwak war einfach gut getarnt. So ganz einig waren wir uns da nicht. Dann ging’s mit dem Zug zum Kansai-Airport, der übrigens komplett auf ner künstlichen Insel in der Osaka-Bucht steht. Dabei zockt die Bahn einen ganz schön ab. Bis kurz vor dem Flughafen normale Preise aber dann das zehnfache für den letzten Teil. Aber alles in allem ein lohnendes Ziel (wenn wenigstens der Euro ein wenig mehr zulegen würde).

Shingon-Buddhismus in Mainz
Originalartikel von Ronald Hermsen, erschienen im August '97 in der holländischen Zeitschrift Bres (Heft 185); Überarbeitung der deutschen Fassung durch Stefan Köck; Aufbereitung für die Homepage und Kommentare von Michael Korbl

Körper, Sprache und Geist: Die drei Mysterien
Zendô - Bitte Schuhe ausziehen und auf der Treppe abstellen. Das Schildchen neben der Tür des Meditationsraumes im Amsterdamer Kanzeon Zentrum ist deutlich. Es ist die erste rituelle Verrichtung des Tages. Der japanische Meister Jômyô Tanaka geht voran, aber er bleibt der Tür stehen. Gesammelt rezitiert er drei Mal HUM (AUM), gleichzeitig schnippt er mit Daumen und Zeigefinger in Richtung Tür. Das Tor zum Heligtum ist nun geöffnet und die Begegnung mit dem esoterischen Shingon-Buddhismus Japans kann beginnen.
"Waschen Sie Ihre Hände, spülen Sie Ihren Mund aus, ziehen Sie saubere Kleidung an und reiben Sie Ihre Hände mit Weihrauchpulver ein, ehe Sie den Übungsraum betreten", liest man im Sûtrenbuch des Shingon-Buddhismus. Aber so förmlich ist dieses erste Begegnungswochenende nicht. Wir visualisieren zunächst den Sanskritbuchstaben MA im rechten Auge und TA im linken Auge. MA verwandelt sich in die Sonne und TA in den Mond. Wir bewegen uns, als liefen wir über Lotusblumen, erfüllt von Mitgefühl, und knien dann nieder, verneigen uns und berühren mit der Stirn den Boden, als Ausdruck unserer Verehrung für alle Buddhas und Bodhisattvas. Zweimal wiederholen wir das: Stehen, Hände falten, den Mantra "Om Sarva Tathâgata Pâda Vandanam Karomi" (Aum, ich begrüße ehrfurchtsvoll alle Tathâgatas) rezitieren, niederknien, mit dem Kopf den Boden berühren und aufstehen. Dann dürfen sich die acht Teilnehmer, die zu diesem Wochenende gekommen sind, setzten. Natürlich nur auf den Boden. Der kleine, niedrige Altar mit Weihrauch, Blumen, Buddhastatue und Ritualgegenständen verstärkt die sakrale Stimmung im strengen, schmucklosen Raum, der hauptsächlich für Zen-Meditation benutzt wird. Direkt über dem Altar hängt ein Bild Jizô Bosatsus (Bodhisattwa), des Retters aller lebenden Wesen. Zugleich weist er den Verstorbenen mittels eines von im gehaltenen Lichtleins den Weg zum buddhistischen Paradies.
Tanaka sitzt hinter dem kleinen Altar und hält einen Vortrag über die Geschichte des Shingon-Buddhismus und über den Mönch Kûkai, der den esoterischen Buddhismus im neunten Jahrhundert nach Japan brachte und dort die Shingon-Schule begründete. Er gelangte schnell zu hohem Ansehen und wurde der spirituelle Lehrer dreier aufeinanderfolgender Kaiser. Gleichzeitig war er ein Architekt und Künstler. Er gründetete auch die erste Schule Japans, die für Kinder aller gesellschaftlichen Schichten zugänglich war. Nach seinem Tod wurde ihm der Ehrentitel Kôbô Daishi verliehen - Großer Lehrer und Verbreiter des Dharma - und er wird in Japan als einer der beliebtesten Heiligen verehrt.

Holländischer Schüler
Der Shingon-Buddhismus ist völlog anders als der ebenfalls japanische Zen-Buddhismus, der sich allen Schmucks entledigt hat. Tatsächlich ist der Shingon-Buddhismus eine Strömung, die im Westen fast völlig unbekannt ist. Auch in den Niederlanden ist darüber, und das, obwohl Tanaka Jômyô Sensei schon seit zwölf Jahren regelmäßig jedes Jahr hierher kommt, nichts bekannt gewesen. Bis vor kurzem hat er seine Vorträge im Kushi-Institut in Amsterdam gehalten, blieb dort einige Tage und unterrichtete dann anderswo in Europa. (Anmerkung M.K.: Er hat auch Schüler aus England, Deutschland, Italien und Kroatien).
Vor zwei Jahren lernte er Alex von Leuken kennen. Van Leuken (34) beschäftigte sich bereits viele Jahre mit dem Zen-Buddhismus, anfangs individuell, später unter Anleitung durch Maarten Houtman im Kanzeon-Zentrum in Amsterdam - wo auch diese Seminar stattfindet. Zugleich ließ er sich von Thich Nhat Hanh und Mantak Chia inspirieren. Trotzdem fehlte ihm etwas.
"Zum Zwecke meiner spirituellen Entwicklung ist es immer mein Standpunkt gewesen, mich neben Sitzmeditationen auch mit Körper- und Energiearbeit zu beschäftigen. Auch mein Wunsch, dabei die Stimme zu benutzen, wurde immer stärker. In dieser Situation bekam ich im Sommer 1994 ganz plötzlich eine Ankündigung zu einem Seminar mit Meister Tanaka zugeschickt. Während dieses Wochenendseminars sollte man sich auf das Rezitieren von Mantren, auf Visualisationen und Mûdras (Gebärden der Hände und des Körpers) konzentrieren, die das Rezitieren der Mantren begleiten."
Alex van Leuken nahm daraufhin an dem Seminar teil und lernte Tanaka kennen. Auf Tanakas Wunsch hin hat er beschlossen, sich für die Verbreitung des Shingon-Buddhismus in Holland einzusetzen. Weil Tanaka nun Schüler in Holland unterrichtet, dauern seine Aufenthalte in den Niederlanden länger. Er ist jetzt jedes Jahr drei Monate, von Januar bis März, in Holland.

Blick nach Westen
Tanaka Jômyô Sensei wurde 1947 in der Präfektur Saitama in Japan geboren. Unter der Anleitung seines Großvaters hat er mit sechs Jahren das Studium des Shingon-Buddhismus begonnen. Fünfzehn Jahre später entschied der sich für ein Leben als Mönch und trat in den Tempel Daikaku-Ji in Kyôtô ein. im Jahr 1970 wurd er von der Tôkyôter International Brotherhood Association nach Indien geschickt. Dort studierte er über fünf Jahre intensiv Indische Philosophie, Buddhismus, Hinduismus und Yoga. Danach kehrte er nach Japan zurück und wohnte im Tempel Yakushi-Ji in Nara. Aber ihm mißfiel die Hierarchie im japanischen Buddhismus; Neuerungen beanspruchen Jahre und sind schon überholt, wenn man sie einführt. Traditionell stand die Lehre des Shingon-Buddhismus nur denjenigen zur Verfügung, die sich entschieden hatten, ihr ganzes Leben Buddha zu weihen - also den Mönchen. Tanaka aber wollte die Lehre gerade allgemein verbreiten, ohne ihren esoterischen Geheimcharakter anzugreifen. Während seines Aufenthaltes in Indien waren ihm viele Abendländer begegnet, die auf der Suche nachMethoden zur spirituellen Entwicklung waren. Deshalb wandte er seinen Blick nach Westen - wie es ihm Buddha in einem Traum zu tun aufgetragen hatte. Im Jahr 1978 zog er deshalb in die Vereinigten Staaten, wo er das Mandala Buddhist Center gründete, zunächst in New York und dan Bristol, im Bundesstaat Vermont. Vor drei Jahren gründete Tanaka die International Mandala Association, die seine Aktivitäten koordiniert. Tanaka wohnt nun wieder in seinem Geburtsland Japan, aber hält sich dort selten mehr als vier Monate pro Jahr auf. In Japan ist er ein viel gefragter Mann. Er ist unter japanischen Geschäftsleuten populär, weil er Teile seiner Lehre für ein größeres Publikum zugänglich gemacht hat.
"Diese Leute besitzen, materiell betrachtet, schon alles. Sie sind studierte Intellektuelle, aber sie wissen nichts über den Buddhismus und auch nichts über sich selbst. Ich habe vor kurzem ein Buch geschrieben, das auf der tratitionellen Methode gründet; diese bietet durch Meditation, Visualisation, Rezitation (von Mantren) und Mudrâs eine Methode, die dem Menschen Erholung und Harmonie seiner Selbst innerhalb von einhundert Tagen ermöglicht. Und das spricht die modernen japanischen Geschäftsleute offenbar an, denn sie bitten mich oft, sie wieder zu unterrichten."

Priesterausbildung
Für die Zukunft besteht der Plan, in Holland, irgendwo in der Provinzverwaltung Limburg, den ersten Shingon-Tempel Europas zu gründen. Alex van Leuken ist von Tanaka damit beauftragt worden. Er ist jetzt allerdings sehr beschäftigt mit den neuen Beziehungen in Holland, die selbstverständlich gepflegt werden sollen und auch mit Shingon-Kursen, die er in Den Haag, Amsterdam und Mastricht organisiert hat.
"Außerdem", so van Leuken, " ist dies ein Plan für die weitere Zukunft. Auf Wunsch Tanakas organisiere ich seit Frühjahr 1996 Gruppen. Weil ich schon die Absicht hatte, in Zukunft Meditation zu unterrichten, freute der Vorschlag Tanakas mich sehr. Ich könnte mich gleich mit dem Einverständnis eines Meisters und ohne große finanzielle Risiken an die Arbeit machen. Aber einen Tempel zu führen, das ist doch etwas anderes. Deswegen will ich erst die Priesterausbildung in Japan vollenden. Tanaka hat damit begonnen, dort eine Shingon-Priesterausbildung für Abendländer zu organisieren, aber es kann noch einige Zeit dauern, ehe die ersten Schüler mit dieser Ausbildung anfangen können."
In diesem Frühjahr hat von Leuken seinen Dharmanamen Dôkai bekommen, er bedeutet "Weg über den Ozean". Er ist ein Pionier, denn der Shingon-Buddhismus hat kaum abendländische Schüler und Tanaka hat nur an Wenige den Titel koshî - Assistenz-Lehrer - verliehen.

Im Westen
(... )Fortsetzung folgt ... wohl nicht mehr?!

Behandlung von Schußverletzungen nach Jimmy Zerylnick
Originalartikel von Jean Debets, S.M.A.D., aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Lobe, DOJO YAMANEKO, Mainz

Dieser Artikel wurde ermöglicht durch den Unterricht von Jimmy Zerylnick vom Bujinkan Atlanta Dojo. Er ist professioneller Ninjutsu Instruktor und unterrichtet Sanitäter in Selbstverteidigung. Er ist aber auch ein geistiger Lehrer, der weiß, wie er ein Herz berührt und die Wahrheit zeigt. Sein Wissen über die Behandlung von Schußverletzungen hat er sich bei seiner früheren Tätigkeit als Sanitäter erworben, in einer Stadt, in der Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute kugelsichere Westen tragen müssen. Eine Gegend, in der Gangs und anderer Abschaum auf Krankenwagen schießen, oder diese bestehlen, während jemandem geholfen wird. Sanitäter der Army arbeiteten mit ihnen, weil in dieser Gegend viele Schußverletzungen vorkommen und Sanitäter oft während Schießereien im Einsatz sind. Jimmy verweist auch auf Jim Cerillo, ein bekannter Polizist aus New York, der Mitglied in einem SWAT-Team war, bevor diese so genannt wurden und der viele Schießereien erlebt hat.

Die primäre Bewertung von Situationen mit Schießereien und deren Opfern ist dieselbe wie in jeder anderen Notfall-Situation. Die einzigen Unterschiede sind die speziellen Umstände und die Handhabung von Schußvertzungen:

1. An erster Stelle steht die Sicherheit der Helfer, dann die Sicherheit der Opfer und Verletzten. Man sollte sich nur dann nähern, wenn die Umgebung und die Situation sicher sind. Ist die Umgebung nicht sicher, sollte man warten, bis sie gesichert worden ist, oder versuchen sie selbst zu sichern. Ist das nicht möglich, sollte man sich nicht nähern. Man versuche, die Verletzten aus der Gefahrenzone zu bringen. Wenn die Schießerei noch in Gange ist, sollte man sich eine sichere Deckung suchen. Wenn man die Verletzten nicht wegschaffen kann, sollte man versuchen, sie durch einen Sichtschutz zu verdecken. Wenn möglich gebe man Feuerschutz (SWAT-Team) und werfe den Verletzten ein Seil einem Haken oder Karabiner zu, um sie aus der Gefahrenzone zu ziehen. Man kann auch einen Stock oder etwas anderes mit einem Haken benutzen. Das empfiehlt sich besonders dann, wenn die Verletzen bewußtlos sind. Wenn man alleine ist und vermutet, das sich noch Bewaffnete in der Umgebung aufhalten, sollte man von einer sicheren Position aus handeln, Instruktionen erteilen, als wäre man nicht alleine, und falsche Angaben über die Anzahl seiner Helfer und deren Bewaffnung laut rufen.

2. Wenn die Umgebung sicher ist, sollte man sich vorsichtig dem Patienten nähern, um nicht von ihm erschossen zu werden. Er könnte in Panik sein und nicht registrieren, daß sich jemand in friedlicher Absicht nähert. Es gab viele Situationen, in denen verwundete Polizisten auf ihre Kollegen oder Sanitäter schossen. Wenn jemand angeschossen wurde, kann er unter Schock stehen, unter Einfluß von Adrenalin stehen, es kann dunkel sein und er kann sich erschrecken und ein Messer oder eine Pistole haben. Also sollte man sehr vorsichtig sein. Am besten ruft man den Verletzten an und vergewissert sich, daß er weiß, daß wer kommt.
Wenn man bei dem Opfer ankommt, sollte man sich als erstes über seinen Bewußtseinszustand klar werden und es ihm so bequem wie möglich machen. Man muß dem Verletzen das Vertrauen geben, daß ihm geholfen wird. Wenn der Verletzte noch eine Waffe hat, sollte sie gesichert werden! Dann kann man sich mit seinen Wunden und medizinischen Situation beschäftigen.

3. Wenn der Verletzte eine Schußwunde am Kopf, Nacken, Brust oder Rücken aufweist, muß man annehmen, daß das Rückenmark betroffen. Deshalb muß der Wirbelsäule unbedingt stabilisiert werden! Kopf und Nacken müssen stabil gehalten werden; am besten benutzt man ein C-förmiges Kissen für den Nacken. Unter einfachen Umständen kann man auch eine Decke, Kleider oder ähnliches benutzen. Man bindet oder klebt dem Verletzten ein Brett auf den Rücken oder auf die Wirbelsäule. Man kann auch einen Besen, ein Seil oder eine Tür benutzen, um den Verletzten zu stabilisieren. Wenn mehrere Helfer in der Nähe sind, wird der Verletzte stabilisiert, indem man ihn kurz umdreht und das Brett unter ihn schiebt. Wenn man alleine ist, muß man auf Hilfe warten, oder, wenn keine Hilfe kommt, entsprechend der Situation handeln.

4. Prüfung der Luftröhre: Die Luftröhre muß frei sein. Wenn der Verletzte spricht, kann er frei atmen. Ist der Verletzte bewußtlos, bringt man ihn in die stabile Seitenlage. Gibt es Probleme mit der Wirbelsäule, sollte er auf dem Rücken liegen bleiben. Durch das Öffnen des Kiefers, gibt die Zunge die Luftröhre frei. Dies sollte man bei Leuten probieren, die bei Bewußtsein sind. Wenn man damit fertig ist, sollte sich noch einmal vergewissern, daß der Verletzte einigermaßen sicher ist. Notfalls muß improvisieren. Wenn der Verletzte verbrannte Lungen hat muß er aufrecht sitzen. Im Krankenhaus wird er mit stark angefeuchtetem Sauerstoff behandelt. Selbst dort sterben viele, deren Lungen stark verbrannt sind.

5. Normalerweise atmet man 12 Mal pro Minute. Kritisch wird es, wenn jemand weniger als 5 Mal pro Minute atmet. Dann sollte man denjenigen zusätzlich 7 Mal pro Minute beatmen. Wenn jemand wesentlich schneller atmet, zum Beispiel 80 Mal pro Minute, was bei Herzanfällen vorkommen, gibt es keine Hilfe. Das bedeutet, das derjenige hyperventiliert und daran sowieso stirbt. Man sollte immer davon ausgehen, das jeder Verletzte AIDS (HIV), Hepatitis oder Tbc hat und sich entsprechend verhalten, außer bei den eigenen Kindern oder Ehegatten!

6. Man prüfe den Puls am Hals. Ist er unter 40, sollte man eine Herzmassage versuchen. Bei Schußwunden hat man oft Schock-Symptome. Deshalb sollte man Puls, Blutdruck und Haut untersuchen und nach der Ursache des Schocks fragen. Der Puls liegt dann mindestens bei 80 - 90 Schlägen. Wenn kein Puls, sondern nur ein Herzschlag zu spüren ist, liegt ein Schock vor und man sollte handeln. Heftige Blutungen sollte sofort stoppen und den Atem beobachten. Man gibt mit der Hand direkt Druck auf die Wunde. Wenn möglich, sollte man Druckpunkte benutzen.

7. Wenn möglich, sollte der Verletzte sofort in eine Unfallstation gebracht werden.

Sekundäre Bewertung:

Antibiotika und Antiseptika benutzen, in der Natur kann man Pilze (Penicillin), wilde Kräuter, wilder Knoblauch und ähnliches. Man kann auch Urin benutzen, weil frischer Urin steril ist (Salz und Sulfat)

Bei dieser Art von Wunden wird in 99% Prozent der Fälle Herz-Lungen-Wiederbelebung nicht funktionieren. Deshalb sollte man keine Schuldgefühle haben, wenn man es wenigstens versucht hat. Bei Herzanfällen und anderen medizinischen Problemen kann die Herz-Lungen-Wiederbelebung funktionieren, also sollte man sie dort anwenden.
Jim Cerillo hat viele Bücher und Videos über dieses Thema veröffentlicht.
Es gibt viele Bücher zum Thema, zum Beispiel:
Publisher: Brady ....Simon & Schuster Company....Upper saddle River, New Jersey Title: Paramedic Emergency Care by Bryan E. Bledsoe, Robert S. Porter, Bruce R. Shade
ISBN 0-8359-4987-7


TAIKAI 1998 Levico Terme, Italien
Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz

"SHINDEN FUDO RYU HAPPO BIKEN", das war das Thema des diesjährigen TAIKAIs in Italien, vom ersten bis dritten Mai. Nach knapp achtstündiger Fahrt kamen wir nachts zwischen zwei und drei Uhr in Levico Terme auf dem Campingplatz an. Das Zelt war schnell aufgebaut und wir versuchten noch ein bißchen Schlaf zu finden bis zum Beginn des TAIKAIs um elf Uhr. Veranstaltungsort war eine Sporthalle im Stadion, riesengroß und mit Steinfußboden. Die Organisation der Italiener war gut. Es war für alles gesorgt und die Informationen erreichten jeden. Die über 400 Teilnehmer, die aus der ganzen Welt angereist waren, begrüßten SENSEI enthusiastisch. Begleitet wurde er diesmal von seiner Frau und dem Übersetzer. Es waren keine japanischen SHIHANE mitgekommen. Jedoch waren eine größere Anzahl 10. DAN-Träger anwesend, die, wie Hatsumi später mehrmals betonte, alle gut sind und von denen wir versuchen sollen, zu lernen, wenn er die TAIKAIs nicht mehr besucht. Trainiert wurde ca. zweimal 2 - 3 Stunden am Tag, mit einer italienischen 'Pranzo'-Pause von 3 Stunden dazwischen. Übersetzt wurde vom Japanischen in die englische Sprache, von dort ins Italienische und manchmal auch ins Spanische.
Das Training und die Demonstrationen fanden auf einem sehr hohen Level statt. SHINDEN FUDO RYU beinhaltet Techniken auf dem Niveau des 10. DAN. Dementsprechend schwierig war es vor allem für die Grüngurte, die Details der Techniken zu begreifen. Aber auch die Schwarzgurte hatten ihre Probleme, vor allem am ersten Tag. Das charakteristische der RYU ist der natürliche Fluß, so daß es in jeder Phase des Kampfes darauf ankommt, jederzeit in der Lage zu sein, die Richtung, die Technik selbst oder die eigene Intention zu verändern. Es gibt keine festen KAMAE, außer SHIZEN NO KAMAE, auf der anderen Seite bewegt man sich eigentlich immer in oder durch Positionen, die den Charakter einer KAMAE haben. SENSEI zeigte anhand von Variationen und Reaktionsmöglichkeiten auf die Entwicklungen, die eine KATA im Kampf nehmen kann, was damit gemeint ist. Er nutze viele unterschiedliche UKE und ließ auch immer die Träger des 10. DAN ihre Versionen zeigen und ihre Erkenntnisse mitteilen. Das war hilfreich zum Verständnis der Absicht, die hinter den KATAs steht.
Ein paar Besonderheiten am Rande:

Im Gegensatz zu meinen bisherigen TAIKAI - Erfahrungen nahmen wir diesmal nur wenige KATAs in den drei Tagen durch, übten jedoch unzählige Variationen mit und ohne Waffen, gegen mehrere Angreifer und in besonderen Situationen. Dadurch wurde der Gedanke und das Prinzip der KATA und die Denk- und Kampfweise der RYU klarer. Es wurde aber auch klarer, wie viel uns noch fehlt, um wirklich im Fluß zu agieren und für jede Situation die angemessene Reaktion zu entwickeln.
In den Pausen besichtigten wir den reizvollen italienischen Ort, der direkt an einem See gelegen, mitten in den italienischen Alpen auch ein Ziel für den Urlaub bieten kann. Auf dem Campingplatz (wir waren übrigens die einzigen vom TAIKAI, die dort nächtigten, alle anderen zogen es vor, im Hotel zu schlafen) waren Listen mit Familien aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz, die schon über 25 Jahre regelmäßig dort ihren Urlaub verbringen. Es scheint ein ruhigerer Ferienort etwas abseits vom Gardaseerummel zu sein.
Zu erwähnen ist noch, daß diesmal auf dem SHIDOSHIKAI - Treffen am Samstagabend einige wichtige Dinge besprochen wurden, die für die Zukunft des BUJINKAN bedeutend sind.
Zunächst einmal machte SENSEI klar, daß es in Zukunft zum Ausschluß von Mitgliedern aus dem BUJINKAN kommen werde, wenn zehn Träger des 10. DAN einen solchen vorschlagen. Heftig diskutiertes Thema war der Antrag von Mendoza auf Rückkehr in den BUJINKAN. Die Mehrheit der Stimmen sprachen gegen ihn mit der Begründung, daß er seine Chancen gehabt habe und es jetzt zu spät sei. Auch mit der Stimme, daß er nicht kontrollierbar sei und ihm, wie die Vergangenheit zeigte, nicht zu trauen sei. Jack Hoban wandte noch ein, daß unabhängig von der Entscheidung über Mendoza, man doch in Zukunft eine Verantwortung der Person auf einem SHIDOSHIKAI - Meeting anstreben solle.
Zum Abschluß gab es noch eine Fotosession, die ebenfalls sehr gut organisiert war. Es wurde länderweise die Möglichkeit gegeben, auch in Kleingruppen Fotos mit SENSEI und seiner Frau Mariko zu machen. Für diesen Zweck setzte er sich mit seiner Frau in die Mitte des Stadions in die Sonne und die einzelnen Gruppen stellten sich dahinter. Das Foto machten dann zwei italienische Frauen, auch mit den mitgebrachten Kameras.
Fazit: ein sehr schönes TAIKAI mit familiärer Atmosphäre und hohem technischen Niveau und Erkenntnisgehalt, mit sehr freundlichen und angenehmen Gastgebern.

"Flexible Weapons", ein Workshop mit Brin Morgan in Bonn
Jean Debets, Stichting Martial Arts Dojo, Landgraaf (NL)

Das Seminar mit Brin wurde organisiert von Michael Schindewolf und seiner Trainingsgruppe in Bonn. Es war mein zweites Seminar in diesem Dojo und ich bemerkte einige positive Punkte, die man in anderen Dojos nicht findet. - Die Halle selbst. Ursprünglich war es eine Judohalle und sie ist groß und hoch, und sie ist fast vollständig mit einer Mattenfläche ausgestattet. - Die Mitglieder des Dojos kümmerten sich sehr sorgfältig um ihre Gäste. Es war genug Raum zum Schlafen im Dojo und das gesamte Wochenende gab es ausreichend Essen und Trinken für die Seminarteilnehmer. Ebenso war der Preis des Seminars mit 160.- DM inklusive Essen und Ü in Ordnung. - Im Gegensatz zu manch anderen Dojos trainieren dort viele Frauen, und das mit der gleichen Motivation sowie technischem und physischem Level, wie Männer. Das Seminar begann am Freitagabend mit einem "Aufwärmtraining" mit Brin. Thema war TAIJUTSU in seiner reinen Form. Er erklärte viel ü Prinzipien Distanz und Winkel, sowie ü deren praktische Anwendungen. Während des Trainings ging Brin durch die Reihen und korrigierte jeden gemäß seines Levels und zeigte verschiedene Formen der Technik, die jeweils auf die entsprechende Person und ihrem Level paßte. Dies tat er während des gesamten Seminars und das machte sein Training sehr individuell und hilfreich. Das ist selten auf den vielen Seminaren, die ich bisher besuchte, der Fall gewesen. Ebenso selten ist, daß man so viel Informationen ü das Training und seine verschiedenen Stufen auf dem Niveau des DAN-Trägers bekommt. Das hilft eine Menge! Zu guter Letzt bekommst Du ein Curriculum des Seminars in schriftlicher Form mit den gesamten Techniken des Seminars, so daß Du Dich auf das praktische Training konzentrieren kannst. Außerdem ist wesentlich mehr Hintergrundinformation in diesen Unterlagen, als man in einem Wochenende trainieren kann. Am Samstag begann Brin das Training mit der Bekanntgabe, daß er jeden von uns als UKE gebrauchen werde. Er tat dies mit Männern und Frauen während des gesamten Seminars auf allen Levels. Dies machte das Training persö und auch gleich fü alle. Es erleichtere das Verständnis fü die Techniken. Er tat dies bei Techniken vor der gesamten Gruppe, aber auch beim Korrigieren während der Ü Die meisten Lehrer nutzen nur einen UKE. Die Art von Brin machte das Training persö Auch zeigte es, daß Brin die Technik bei allen wirksam demonstrieren konnte und es war hilfreich zu sehen, wie er die Techniken an die jeweiligen Personen anpaßte. Er begann mit der KUSARI FUNDO und nutzte TAIJUTSU im Windelement, um den Gegner zu fangen und zeigte, was zu tun ist, wenn der Gegner auf die eigenen Techniken reagiert. Er erklärte, daß flexible Waffen im Training anfangs nicht mehr als 50% kontrolliert werden kö Deshalb startet man im Wind-Element, worin Du selbst sicher mit den Waffen trainieren kannst. Erst wenn Deine Fertigkeiten im Umgang mit flexiblen Waffen steigen, kannst Du damit beginnen, sie unter anderen Modi einzusetzen, bei denen Du zu jeder Zeit wissen mußt, wo die Waffe sich befindet. Die zweite Hälfte des Tages arbeiteten wir mit KYOKETSU SHOGE die Basistechniken durch, die in seiner Schule gelehrt werden. Es zeigte sich, daß nicht so viele Leute gut damit umgehen konnten. Der Grund mag darin liegen, daß es nicht so viele Lehrer gibt, die den Umgang damit zeigen, obwohl sie die Waffe kennen. Brin war bewundernswert in seinen Fähigkeiten und gebrauchte diese auch in praktisch in den Techniken. Er zeigte Formen, in denen er das Schwert des Gegners fing und die schwingende Bewegung gegen mehrere Angreifer ausnutzte. Er zeigte, wie man sein TAIJUTSU mit dieser Waffe auf verschiedene Distanzen und Winkel anwendet und anpaßt. Es war eine Menge in diesem Training enthalten und das Level war hoch. Ich vermute, daß jeder sich in diesen Techniken auf seinem Level bewegt hat. Am Sonntag starteten wir mit NAWA NOBORI. Wir ü Knoten und die Anwendung dieser bei Fesselungen und Klettertechniken. Er zeigte auch, wie man seinen OBI praktischer fü das Training bindet. Die Fesselungstechniken verband er mit TAIJUTSU, was fü die meisten neu war, die Techniken jedoch mehr lebendig und praktisch machte. Im letzten Teil des Seminars gingen wir zurück zum KYOKETSU SHOGE und setzten dort fort, wo wir am Samstag aufgehö hatten. Am Ende des Seminars faßte Brin zusammen, daß wir viel mit den gelernten Techniken arbeiten sollen, denn es hatte sich ihm gezeigt, daß die meisten wenig Erfahrung und Übung im Umgang damit haben und daß es eine Menge mehr darüber zu lernen gibt, was wir an diesem Wochenende nicht erfahren konnten. Wir erhielten alle eine Urkunde von Brin persönlich überreicht und er sagte sogar meinen Geburtstag an, der auf diesen Tag fiel. Zusammenfassend gibt es für mich einige Punkte, die mich veranlassen, Seminare mit Brin zu besuchen. Ich nahm an zwei Seminaren bisher teil und andere Mitglieder unseres DOJO besuchten andere Seminare mit Natascha Tomarkin, seiner Frau. Das Level des Trainings ist sehr hoch und sehr nützlich, besonders auch für Schwarzgurttraining, denn man wird auch auf diesem Level korrigiert. Man bekommt ein gutes Verständnis dafür, was man auf seinem Level trainieren muß. Die Menge an Information, die herüber kommt, ist erstaunlich. Brin und Natascha reisen durch die ganze Welt, um zu trainieren und haben so eine direkte Verbindung zu Hatsumi, daß du sehr direkte und anregende Informationen von Soke bekommst. Wenn du auf ein Seminar mit Brin fährst, nimm alle Waffen mit, denn sie werden alle auch gebraucht, nicht nur die Basistechniken sondern auf allen Level. Das energetische Level während des Trainings ist sehr hoch und du kommst mit Sicherheit ins Schwitzen. Und das gefällt mir gut. Wenn du nach Hause gehst, hast du das Gefühl etwas getan zu haben und du fühlst dich trotz allem noch fit. Schauen wir der Wahrheit ins Gesicht: Fertigkeiten werden entwickelt durch Verständnis und hartem (nicht bloß ein bißchen) gezieltem Training. Abschließend muß ich sagen, daß ich in der Vergangenheit viel Gerede über Brin gehört habe, aber seit ich den Mann persönlich getroffen habe, muß ich euch mitteilen, daß 'this is just a honest guy with a lot of dedication to his training' und er teilt es mehr als freigiebig. Und da ist eine Menge zu teilen! Nächstes Seminar mit Brin in Bonn wird am 27./28. Juni sein. Themen: Messer und Pistolenkampf. Infos siehe News auf der Homepage.


Bericht über das Seminar mit Bud Malstrom (22./23.11.97, Landgraaf, NL)
Jean Debets, Stichting Martial Arts Dojo, Landgraaf (NL)

Bud Malmstrom ist 10. Dan Bujinkan Shidoshi vom Bujinkan Atlanta Dojo. Er hat eine Zeit bei den US. Marines hinter sich und ist zur Zeit Polizeioffizier und Polizeiausbilder, sowie professioneller Bodyguard.
Bud besuchte Landgraaf in den Niederlanden, um ein Seminar über Hanbo-Jutsu und Ninja-Ken (Shinobi Gatana) zu geben. Veranstaltet wurde das Seminar vom Stichting Martial Arts Dojo in Landgraaf, die Mitglied sind von Shinden No Michi und Bujinkan Dojo von Soke Hatsumi.
Das Seminar begann mit der Erkundung der Grundlagen und den wichtigsten Prinzipien des Taijutsu. Das Verstehen dieser wurde reflektiert und angewendet in realistischen Kampftechniken mit Hanbo und Schwert. Diese sehr realistische Annäherung an die Themen war Grundgedanke und Überschrift des gesamten Seminars, wie alle Seminare mit Bud bisher. Wie auch in der Vergangenheit fesselte Bud die Aufmerksamkeit der Seminarteilnehmer durch seinen Humor und oft überraschenden Erklärungen.
Am ersten Tag durchliefen wir die Hanbo-Katas einer der Scrolls des Kukishinden Ryu. Jede der Katas war begleitet mit detaillierter Information über die versteckten Grundlagen und Prinzipien, sowie die praktischen Anwendungen und Übertragungen auf die heutigen Gegebenheiten. Zwischen jeder einzelnen Kata zeigten die fortgeschrittenen Schüler und Lehrer des Seminars ihre Einsichten und Verständnis der jeweiligen Kata. Auf diesem Wege vermittelte Bud ein größeres Spektrum von mö Aspekten einer Kata und beurteilte nebenher noch den Leistungsstand der Lehrenden.
Das Training endete an diesem Tag mit einer Fertigkeitsdemonstration der Turtles der Kindergruppe des SMAD (5 - 12 Jahre alt). Für die Anwesenden war es erstaunlich, wie diszipliniert und gekonnt die Kinder ihre Fähigkeiten demonstrierten.
Nach dem Training genossen die meisten der Seminarteilnehmer ein mexikanisches Buffet. Der Abend wurde anschließend gefüllt durch eine African Dance Party, die aus Live-Percussion einer afrikanischen Trommelgruppe und einer Tanzdarbietung Afropop durch Seminarteilnehmer bestand. Außerdem natürlich viel Tanz durch alle Anwesenden.
Der zweite Tag begann mit den Grundlagen des Schwertkampfes. Es war erstaunlich, wie viele neue Einsichten erlangt werden konnten über Kamae und Fußarbeit. Bud teilte seine Erkenntnisse mit allen freizügig und ehrlich. Dann gingen wir durch eine Anzahl Katas mit dem Thema 'Schwert gegen Schwert'. Die meisten Techniken basierten auf dem Prinzip der Irreführung des Gegners durch Öffnung der eigenen Deckung. Der Gegner wurde durch geschicktes Taktieren dazu gebracht diese verwundbaren Punkte anzugreifen und unterlag. Dies gehört zu den fortgeschrittenen Techniken und Taktiken unseres Trainingsprogramms.
Der Tag endete mit einigen sehr guten Prüfungen und Bud war zufrieden mit der Leistungsfähigkeit der Seminarteilnehmer in Europa.
Bud Malmstrom gibt 1998 mehr Seminare in Europa. Beachte die Seminare und News der Homepage.


Bedeutung des Ninja im 20. Jahrhundert
Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz

Die Ursprünge

Zu den Wurzeln des Ninpo muß man sicherlich Shugendo rechnen, der Weg, Furcht und eigene Grenzen in der Wildnis der Bergwelt zu überwinden und die Stärke der Berge zu erreichen, auf sich zu übertragen. Die ersten Ninjafamilien zogen sich ebenfalls in die Wildnis der Berge zurück, um dort mittels der Einfachheit der Lebensweise und gestärkt durch die Anforderungen eines Lebens in der Wildnis, den Sinn des Daseins zu ergründen und ihre Einordnung in die Funktion des Lebens zu erforschen. Sie waren auf der Suche nach Erleuchtung. Durch Verfolgung gezwungen, den Aspekt der Selbstverteidigung in ihr Leben zu integrieren, entwickelten sie auf der Grundlage einer Philosophie einer allumnfassenden Einzigkeit (Taikyoku) und einer aus Gründen Erkenntnis entstehenden fundamentalen Polarität (In und Yo, entspricht dem bekannteren chinesischem Prinzip des Jing und Yang) Fähigkeiten, die ihnen einerseits das Überleben ermöglichten, andererseits ihnen eine Einflußnahme auf ihre Mitmenschen und Feinde gestattete, die dem einfachstrukturierten Menschen damals als Mystik erscheinen mußte.
Von den Machthabern wurden die Fähigkeiten bald erkannt und versucht, für Machtinteressen einzusetzen. Das führte zu einer enormen Verbreitung der Kunst der Ninja, denn es wurden für Kriegszwecke eine erhebliche Anzahl von 'Ninja-Agenten' in relativ kurzer Zeit ausgebildet. Auf der anderen Seite führte das aber auch zu einer Überbetonung der körperlichen Aspekte und Ersatz der geistigen Entwicklung durch Kniffe und Tricks, die mit Sicherheit auch Erfolge zeigten, jedoch der geistigen Substanz und Stärke entbehrten und sehr bald an ihre Grenzen stießen. Dadurch entfernten diese söldnerartigen Ninja von der eigentlichen Zielsetzung des Ninjutsu.
Von dieser urprünglichen Zielsetzung und dem sich entwickelnden Weg des Ninjutsu ausgehend, die ja trotz der Entwicklung des Söldnertums, nicht ihre Bedeutung verloren, hatte der Ninja eine stabilisierende Funktion im gesellschaftlichen und politischen Bereich, indem er immer für einen Ausgleich bei extremen Entwicklungen sorgte. Die Art und Weise, wie er dies tat, brachte ihn oft in Verruf. Er kümmerte sich z. B. in keiner Weise um den Ehrenkodex der Samurai. Er stand am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie und wurde aufgrund seiner scheinbaren Skrupellosigkeit gefürchtet und wegen der spektakulären Erfolge mystifiziert.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Ninja sich im Verlauf der Jahrhunderte von philosophisch religiösen Gruppen zu straff organisierten Geheimgesellschaften in Familienclans entwickelten, die großenteils später unter die Kontrolle der Obrigkeit gerieten oder im Untergrund verschwanden. Meist wurden die geheimen Aufzeichnungen der Ryu vom letzten Oberhaupt vernichtet, so daß viele Geheimnisse des Ninjutsu dadurch verloren gingen. Lediglich eine Ryu ist bekannt, welche die 'Wirren der Jahrhunderte' überlebte: die Togakure Ryu mit einer ununterbrochenen Linie von Großmeistern, wovon Soke Masaaki Hatsumi der 34. ist.

Die Bedeutung heute

Die Zeit ist nicht stehengeblienben. Die Menschheit hat sich weiterentwickelt, hat kulturelle, ethische, technische, politische und viele andere Entwicklungen durchlaufen. Es stellt sich die Frage, ob der Ninja mit seiner Lebensweise heute noch Bedeutung für die Gesellschaft und für den Einzelnen hat, oder ob seine Ziele der damaligen Zeit angepaßt waren und heute bedeutungslos geworden sind, so daß seine Erscheinung eher archaisch wirkt.

Wie sieht die Öffentlichkeit den Ninja heute?
Vor ein paar Jahren in der Öffentlichkeit noch fast unbekannt, in Kampfkunst- und Kampfsportkreisen schon eher bekannt aber nicht genau definierbar, wurde der Ninja in letzter Zeit durch die Medien verzerrt dargestellt. Anhand oberflächlicher historischer Recherchen und ausschnitthafter Falschdeutungen wurde, auf der Suche nach neuen Filmsensationen, der Ninja als Spezialist für dunkle Machenschaften wie Mord, Spionage und Sabotage dargestellt. Seine Erscheinungsform wurde reduziert auf die schwarzgekleidete, maskierte Gestalt mit übernatürlichen Fähigkeiten, wie 'durch Wände gehen' oder 'über Wasser laufen'. Dieses mystifizierte und stigmatisierte Bild hat auch die Öffentlichkeit vom Schattenkrieger. Dies wirkt auf der einen Seite faszinierend und nachahmenswert für bestimmte Gruppierungen. Nachgeahmt werden jedoch nur Dinge, die auch auf der Leinwand zu sehen sind. Das sind Skrupellosigkeit, Hinterlist, Brutalität und äußere Erscheinung. Das wird nicht nur von Jugendlichen imitiert, sondern auch von gewissenlosen kommerziellen Kampfsportlehrern, die auf den 'Zug aufspringen' und versuchen, mit Ninjutsu Geld zu verdienen und ihren Kundenstamm zu erweitern. Auf der anderen Seite werden die Ninja von der intellektuellen Seite der Gesellschaft aus moralischen Gründen abgelehnt und als Sensationsprodukt der Medien abgetan. Beide Urteile werden der Bedeutung des Ninpo in der heutigen Gesellschaft mit Sicherheit nicht gerecht. Dazu bedarf es der Erörterung der Ziele der heutigen modernen Ausbildung und Ausformung der Kampfkunst.

Die Ziele heute
In einem Interview sagte Stephen K. Hayes, daß die Ziele des Ninjutsu gleichgeblieben sind:

Auch der Weg zur Erreichung der Ziele ist gleichgeblieben:
Für das Individuum bedeutet das zunächst, daß die Fähigkeit entwickelt wird, in jedem Moment des Lebens von einem persönlichen natürlichen Wissen geführt zu werden, um Irreführung und Betrug in jeder Lebenssituation zu erkennen und zu umgehen und nach den philosophischen Prinzipien IN und YO das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Bedeutung für den Einzelnen heute
Die Bedeutung für die persönliche Entwicklung ist gleichgeblieben, eher noch gestiegen. Während es früher die Konfliktbewältigung unter Umständen schon ausreichte, in der körperlichen oder taktischen Auseinandersetzung Sieger zu bleiben, treten heute häufig andere Bedrohungsformen auf.
Einmal steht der Mensch heute in einer Leistungsgesellschaft, in der er einem ständigen Konkurrenzkampf ausgesetzt ist. Hier kommt es zu geistigen Auseinandersetzungen, Intrigen, Leistungsstreß, der die Reserven angreift.
Charakterschwächen, gesellschaftliche Unzufriedenheiten, politisch extreme Einstellungen und religiöser Fanatismus etc. verursachen Verbrechen und Terroranschläge. Der einfache Bürger ist nicht selten den Terrormaßnahmen jugendlicher Außenseiter ausgeliefert, die aufgrund ihres zahlenmäßigen Auftretens mittlerweile schon keine Randerscheinung mehr sind, sondern Ausfluß der gesellschaftlichen Entwicklung.
Hinzu kommt, daß der Bürger der heutigen Zeit vielfachen existenzbedrohenden Angriffen der internationalen organisierten Kriminalität und extremen Terrorgruppen ausgesetzt ist, vor denen ihn auch ein Rechtssystem mit seinen Exekutivorganen nicht wirksam zu schützen vermag.
Ninjutsu bietet hier dem Individuum die Möglichkeit, sein Überlebenspotential erheblich zu steigern. Der Ninja entwickelt und stärkt seine Persönlichkeit, seinen Charakter, seine Urteilskraft und sein Handlungsvermögen, und, nicht zuletzt seinen Körper. Ninjutsu bietet dem Menschen in der heutzutage zunehmenden Haltlosigkeit und Wertelosigkeit eine Orientierung, eine zielgerichtete Entwicklungsmöglichkeit, die nicht einem fremden ideologischen Zweck dient, sondern nur der eigenen Entfaltung der Persönlichkeit. Der Ninja bildet in der Gesellschaft als Person damals wie heute einen Eckpfeiler. Er ist ein Beispiel der Charakterfestigkeit und Persönlichkeit. Nach der Philosophie des IN und YO Ausgleichskonzept lebend ist er für seine Freunde ein Ansprechpartner und Helfer in der Not, für seine Feinde ist er unberechenbar und gefährlich.

Die Anpassung des Ninja an die heutige Zeit

Auch wenn die Ziele und der Weg gleich geblieben sind, so existieren in der heutigen Zeit doch andere Gegebenheiten als vor Jahrhunderten. Das heutige Ninjutsu, vom Geist her das alte geblieben, ist in den Trainings- und Kampfmethoden, sowie in den angewendeten Mitteln modern geworden. Das ist keine plötzliche Entwicklung, sondern ein Prozeß, der sich über die Jahrhunderte zog und noch zieht. Schon von Beginn an waren die Ninja darum bemüht, dem Gegner einen Schritt voraus zu sein, sowohl technisch (Blendpulver, Spreng- und Feuermittel), als auch taktisch und strategisch (systematische Erforschung der konventionellen Kriegsführung und der Guerillataktik) oder psychologisch (Sieg durch Niederlage, täuschen).
Im Verlauf dieser Bemühungen fand und findet eine ständige Weiterentwicklung des Wissens und der Technik statt. Der Ninja nutzt die Errungenschaften der Technik, ohne jedoch die Grundlage zu vernachlässigen: seinen Körper und seinen Geist zu perfektionieren. Er verläßt sich nicht auf die Technik, ignoriert sie aber auch nicht, wie manche Naturlehren es fordern, sondern er nutzt sie zu seinem Vorteil.
Der Ninja mußte und muß sich anpassen an die sozialen, rechtlichen und physikalischen Gegebenheiten, an neue Gesellschaftsformen, an die Umstände, die eine Bedrohung ausmachen, um weiter bedrohungsgerecht handeln zu können. Alles kann ich hier nicht abhandeln, einige Beispiele sollen als Anregung genügen:

Literatur:
Stephen K. Hayes: Ninja Vol. 1 - 5; Ohara
Stephen K. Hayes: Ninjutsu - The Art of the invisible Warrior; Contemporary Books, Inc.
Dr. Masaaki Hatsumi and Stephen K. Hayes: Ninja Secrets from Grandmaster; Contemporary Books, Inc.
Kirtland C. Peterson: Mind of the Ninja; Contemporary Books, Inc.

Über leere Schalen und schaale Lehren I
von Johannes Ehrenthal, SHIN-DEN NO MICHI Göttingen

Lernen ist etwas sehr Wichtiges im Leben. Wenn wir nicht von klein auf jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, ja jede Sekunde etwas dazulernten, gäbe es bald Stillstand, wenn nicht sogar Rückschritte zwischen unseren Ohren. Wir können gar nicht anders, als ständig neue Reize aufzunehmen, jedoch liegt es an uns, diese Reize sinnvoll zu verarbeiten. Obwohl wir eigentlich nur durch Lernen uns weiterentwickeln können, haben trotzdem viele Menschen ein eher schwieriges Verhältnis zum Lernen. Allein das Wort selber klingt schon nach abgewetzten Schulbänken, verstaubten Büchern und Examen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es für jeden Menschen sinnvoll, sich mit dem eigenen Lernverhalten auseinanderzusetzen.
Ich möchte in diesem Artikel Erfahrungen teilen, die ich in meinem bisherigen Training und insbesondere während meiner zwei Aufenthalte in den USA Juli-Oktober 1996 und Februar-März 1997 gemacht habe. Wenn ich wiedergebe, was meine Lehrer und Lehrerinnen gesagt haben, tue ich das so, wie ich es mir gemerkt habe, es ist also meine Interpretation. Für eventuelle Mißverständnisse oder Fehler bin also ich verantwortlich, niemand sonst.
Ich freue mich auf Rückmeldungen und Erfahrungen Anderer. Was ich hier zu Papier bringe ist nicht der Weisheit letzter Schluß, und ich sehe mich insofern auch nicht als Experten oder etwas vergleichbares. Ich habe noch so viel zu lernen und freue mich darauf. Also, bitte lest den Artikel kritisch und nehmt nichts von dem, was hier steht, für bare Münze!
Eine Entscheidung zu treffen ...
kann der erste Schritt für erfolgreiches Lernen sein. Sehr viele Menschen gehen mit verbundenen Augen durch ihr Leben und nehmen Erfahrungen "im Vorbeigehen" mit oder lernen nur, wenn sie sich dazu gezwungen fühlen. Wenn ich mich einem Thema nur oberflächlich annähere, wird das Resultat ebenfalls oberflächlich ausfallen. Manche Dinge möchte ich vielleicht auch nur so weit streifen, wie es mir nötig erscheint, bei anderen ist dies gar nicht möglich, da sie nur als Ganzes richtig zu betrachten sind. Das größte Hindernis ...
für richtiges Lernen kann das eigene Ego sein. Mit Ego meine ich hier den Teil unserer Persönlichkeit, der bei allen unseren Handlungen fragt: "Und was ist mit mir? Was denken andere jetzt von mir?" Das allerdings kann zu großen Schwierigkeiten führen. Bud Malmstrom hat einmal gesagt, daß im Ninjutsu jeder und jede nur auf den eigenen Lernfortschritt achten soll. Er meinte, man könne dies mit einem Weg vergleichen, auf dem jede/jeder Lernende voranschreitet. Jeder Mensch hat dabei einen ganz individuellen Weg vor sich. Wenn ich als Lernender mich ständig umschaue, um zu sehen, wo die anderen sich gerade befinden, kann ich ja nicht gleichzeitig meinen eigenen Weg im Auge behalten, es kann also gut sein, daß ich mich verirre. Hinzuzufügen wäre, daß es sogar Menschen gibt, die ihren ganz individuellen Pfad verlassen, nur um andere in ihrem Fortschritt zu bremsen.
Wenn ich - gerade im Training - vor allem darauf achte, wie andere mich wahrnehmen, ob meine "Position" innerhalb der Lerngruppe gewährleistet bleibt, ob ich "gut aussehe", ob ich jedesmal "gewinne", ob ich keine "Fehler" mache, betrüge ich mich selber. Fehler sind also das Beste, was uns passieren kann, da wir nur durch Fehler auf die Bereiche aufmerksam werden, in denen wir uns noch weiter entwickeln könnten. Wenn irgend etwas noch nicht so klappt wie ich es mir wünsche, dann bin ich eben noch nicht so weit. Was soll's? Taijutsu lügt nicht!
Es ist also sinnvoll, eine möglichst unvoreingenommene Herangehensweise an jede einzelne Trainingseinheit zu haben. Oft wollen wir Erfahrungen gleich in Schubladen einordnen um sie hübsch und sauber wegschließen zu können, mit fatalen Konsequenzen. Wer erinnert sich nicht an eine Landschaft, die er oder sie jeden Tag zu Gesicht bekommt, die eines Tages jedoch völlig neue Details von sich preisgibt? Oder eine Technik, die so lange nicht funktioniert hat, bis jemand gesagt hat: "Hej, schau Dir das doch mal unter diesem Aspekt an.", oder einen Menschen, den man vielleicht über Jahre hinweg völlig "falsch" eingeschätzt hatte.
Es gibt mehrere Arten von Wissen. Erstens, das Wissen, das wir uns angeeignet haben. Zweitens das Wissen, von dem wir wissen, daß es existiert, von dem wir aber noch keinen Schimmer haben. Und drittens das Wissen, von dem wir nicht einmal wissen, daß es vorhanden ist. Wir haben alle das Potential, in den unmöglichsten Situationen neue Einsichten und Impulse zu erreichen - wie schade wäre es, ließen wir selbstverschuldet solche Gelegenheiten an uns vorüberziehen.
Ein gutes Sprichwort ... - leider aus dem Englischen - schlägt vor, "to bring an open mind and an empty cup to the training" (einen unvoreingenommenen Geist und eine leere Schale zum Training mitzubringen). Die leere Schale kann hier als Gedächtnisstütze dienen, wirklich jedes Mal das, was unterrichtet wird, so anzunehmen, wie es kommt und zu probieren, die Essenz hinter den Techniken zu erforschen. Viele Menschen, die vor dem Ninpo-Training schon z.B. eine Kampfsportart haben, oder die wenig Gelegenheit finden, unter qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern zu trainieren, fällt es schwer, sich ganz auf unser Training einzulassen, oft, weil sie sich über das definieren, was sie in ihrem Leben bisher gemacht haben. In ihrer Schale bleibt also immer ein Bodensatz zurück, der sich mit dem vermischt, was dazugetan wird. Manchmal ist das der Speise sehr zuträglich, oft führt es aber dazu, daß sich das wahre Aroma unseres Trainings nicht entfalten kann.


Tips, die Dein Training frisch halten
von Jason Bell, übersetzt von Philip C. Schulte, SHIN-DEN NO MICHI Göttingen

Die Hauptfeinde des Kriegers sind Langeweile, Selbstzufriedenheit und Geltungsbedürfnis. Diese lähmenden Einstellungen sind gefährlicher als ein mörderischer Angreifer, denn sie sind viel subtiler. Solche selbstzerstörerischen Ansichten können sich in deinen Kopf einschleichen und dein Training allmählich langweilig, fruchtlos oder sogar rückläufig machen. Indem du durch das Training schlafwandelst, versetzt du nicht nur deiner Begeisterung einen Dämpfer, du schwächst auch deine Fähigkeiten und verstärkst schlechte Gewohnheiten. Um diese tödliche Falle zu vermeiden, solltest du bewußt mit deinen Trainingsmethoden umgehen. Das bedeutet, dein Training aktiv zu bestimmen, anstatt dich einfach mit den aktuellen Angeboten treiben zu lassen. Um damit anzufangen die Leitung deines Trainings zu übernehmen, denke mal über die folgenden Vorschläge nach.

VARIIERE DEINE TRAININGSPARTNER (UKE)
Trainiere mit soviel verschiedenen Leuten wie möglich. Jeder potentielle Gegner erfordert, aufgrund des Körperbaus, Angriffstils, etc. einen etwas anderen Weg zum Sieg. Die Fähigkeit, die passende Methode herauszufinden und den Gegebenheiten anzupassen, ist eine entscheidende Fähigkeit. Und wie jede andere Fähigkeit kann sich auch diese nur durch praktische Übung entwickeln. Wenn du dich auf einen kleinen Kreis von Trainingspartnern beschränkst, wird dir der Kern der Technik entgehen - die universellen Prinzipien, die sie funktionieren lassen, die körpersprachliche Rückmeldung, die Aufschluß gibt, wenn eine Technik angemessen ist und funktioniert. Stattdessen, wirst du nur ein bestimmtes Set an Winkeln, Distanzen und Reaktionen als »Schlüssel« zu einer Technik vertiefen. Im Eifer des Gefechts angesichts eines fremden Körpers und einer ungewohnten Reaktion, wirst du dann Gelegenheiten verpassen und versuchen etwas zu erzwingen, das keine Hoffnung auf Erfolg hat. Wenn du dagegen mit einer Vielzahl von Trainingspartnern trainiert hast wird dein Körper die entscheidenen Elemente, die eine bestimmte Technik erfordert und gelingen läßt, erkennen und angemessen reagieren.

VARIIERE DEINEN TRAININGSORT
Genauso wie das Training mit einer begrenzten Zahl an Trainingspartnern kann die Gewohnheit tagein tagaus am selben Ort zu trainieren ein trügerisches Sicherheitsgefühl erzeugen. Der Körper gewöhnt sich beispielsweise an die Lichtverhältnisse, die Raumluft, den Boden, visuelle Ablenkungen etc. und braucht sich den sich verändernden Anforderungen des Augenblicks nicht mehr anzupassen. Das ist in Ordnung - sogar günstig - wenn die einzigen Konflikte, in die du gerätst, an vertrauten Orten und zu vertrauten Zeiten entstehen (wie bei Wettkämpfen oder Vorführungen). Wenn dein Ziel jedoch auch nur im entferntesten darauf ausgerichtet ist diese Kunst auf deinen Alltag zu übertragen, solltest du einsehen, daß die wirklich gefährlichen Konflikte diejenigen sind, die entstehen, wo und wenn wir sie am wenigsten erwarten. Indem du die Anpassungsfähigkeit deiner Fähigkeiten an vielen Schauplätzen entdeckst, wirst du improvisationsfähiger, wenn es notwendig ist und weniger wahrscheinlich durch ungewohnte Umstände aus dem Gleichgewicht gebracht. Darüberhinaus hält dich die Abwechslung der Trainingsorte wach und läßt dich das Training genießen. Die Eindrücke verschiedener Umgebungen halten die Sinne in der Gegenwart und vermeiden die Benommenheit »derselben alten Leier«, die deine Aufmerksamkeit ablenken kann. Und indem du Techniken in einem buchstäblich anderen Kontext siehst, könnten sich dir Details offenbaren, die du bisher noch nicht bemerkt hast.

ARBEITE MIT EINER VIELFALT VON THEMEN
Beschränke dich nicht auf die Dinge, in denen du gut bist oder die dir leicht fallen. Als Faustregel solltest du die meiste Zeit den Dingen widmen, mit denen du Schwierigkeiten hast. Je schwieriger dir eine Sache fällt, desto höher sollte ihr Stellenwert in deinem Training sein. Um diesen Zugang so weit wie möglich zu erleichtern, wähle einfach einen Bereich, der dir momentan schwer fällt und einen, der dir immer Spaß macht. Dann arbeite an der Herausforderung für etwa 10 Minuten und schließe das Training, indem du für etwa 5 Minuten in dem Spaß-Bereich »spielst«. Dieses Vorgehen richtet sich direkt an die Bereiche, die einer Verbesserung bedürfen, ohne daß sie dich körperlich oder mental überwältigen. Außerdem erlaubt dir dieses Vorgehen deine Stärken geschärft und dich selber bei Laune zu halten, indem du das Training mit einer positiven Erfahrung ausklingen läßt.

STELLE DIR EINE SITUATION IN DER REALITÄT VOR
Mach dir bewußt, daß der erfolgreiche Umgang mit einem Konflikt häufiger das Ergebnis einer ausgeglichenen inneren Haltung als einer perfekten äußerlichen Technik ist. Unsere Vorgänger haben uns nicht einfach eine Reihe mechanischer Bewegungen hinterlassen, die man einfach nachmacht ­ sie haben uns eine Vielzahl von Situationen hinterlassen, die man erleben kann. Um die Gefühle, denen sich unsere Vorbilder in den KATAs stellten zu erleben, nimm dir immer, wenn du eine übung machst, einen Moment um dir das zugrundeliegende Szenario bewußt zu machen. Du brauchst dich nicht auf aufgeblasenes Theater oder alberne Rollenspiele einzulassen; nimm dir einfach einen Augenblick, indem du über die Situation, der du gegenüberstehst, nachdenkst. Vielleicht kannst du dir einen ähnlichen Zwischenfall, in den du geraten könntest vorstellen... irgendetwas, was Bedeutung für dich hat. Natürlich solltest du Gedanken vermeiden, die einen massiven Gefühlsausbruch auslösen könnten. (Schließlich möchtest du weder dich noch deinen Partner in Gefahr bringen, indem du dich in etwas übertrieben hineinsteigerst.) Trotzdem versetze dich soweit wie möglich in diese Lage während du die Übung machst. Auf diese Weise wird dein Körper so reagieren, wie du ihn trainiert hast, sobald die reale Gefahr droht, weil die Erfahrung »schon mal da war«. Wenn du diese Komponente - das Herz des Trainings - wegläßt, wird der Druck einer tatsächlichen Gefahrensituation dich erstarren lassen oder nur panische und alte, unwirksame Gewohnheiten hervorrufen. Die geistige Probe und der Einsatz der Vorstellungskraft sind Taktiken die von Top-Profis in allen Bereichen genutzt werden. Damit kannst du deine Fähigkeiten in »Augenblicken der Wahrheit« verbessern, denn irgendwie bist du dann bereits ein »alter Hase«.

KONZENTRIERE DICH VON ZEIT ZU ZEIT AUF VERSCHIEDENE PUNKTE IN JEDEM KAMPFSZENARIO (KATA)
Wenn du KATAs immer mit gleichmäßig verteilter Aufmerksamkeit gegenübertrittst in dem Versuch »das Feeling für das Ganze zu bekommen«, wirst du deinen Fortschritt maßlos verlangsamen. Stattdessen sollte ein Teil deines Trainings darin bestehen ein oder zwei grundlegenden Punkten innerhalb eines Drills deine volle Aufmerksamkeit zu widmen. Das heißt nicht, daß du nach tief verborgenen Lehren oder Geheimnissen Ausschau halten sollst. Vielmehr bedeutet es, sich wieder zurückzubesinnen auf die Eckpfeiler, die du schon kennst, (wie Knie beugen, entspannen, richtige Haltung, etc.) und herauszufinden, wie gut du diese Dinge in diesem speziellen Zusammenhang umsetzt. überprüfe dabei, ob du diese Dinge so gut machst wie bevor dir diese Eckpfeiler so vertraut wurden. Untersuche, ob deine verbesserten Fähigkeiten und Erfahrungen es dir erlauben, diese Dinge noch besser umzusetzen als das Mal zuvor. Untersuche darüberhinaus den Punkt auf den du dich gerade konzentrierst, um zu sehen wie er sich in der aktuellen übung darstellt. Erkenne, wie ein bestimmter Punkt entscheidend für eine Technik sein kann oder von einem anderen Gedanken abgelöst werden kann. Beachte, wie ein Konzept von diesem Beispiel im Gegensatz zu anderen Techniken herausgestellt wird. Um dir dieses Vorhaben zu erleichtern, probiere es mal mit einer Auflistung der grundlegenden Punkte, die im Training immer wiederkehren. So kannst du vor jedem Training ein oder zwei Konzepte für eine nähere Betrachtung in einem Teil des Trainings auswählen. Doch Vorsicht: Wenn du verschiedene Schwerpunkte auswählst, solltest du diese nicht jedes Mal wechseln, wenn du eine KATA erneut übst. Verbringe eine gewisse Zeit - vielleicht sogar mehrere Trainingseinheiten - damit einen bestimmten Schwerpunkt zu unter die Lupe zu nehmen, bevor du weiterschreitest. Andernfalls zerstreust du nur deine Aufmerksamkeit und verhinderst Verbesserung.

PROBIER VERSCHIEDENE LEHRER AUS
und stell dir während des Trainings vor, daß du ihren Ansatz teilst. Es ist reine Zeitverschwendung immer auf die gewohnte Art und Weise den gewohnten Leuten zuzuhören. Das ermüdet deine Fähigkeit aufzupassen, mental beweglich zu bleiben und den Stoff zu analysieren und zu interpretieren. Stattdessen solltest du bei Gelegenheit unter der Leitung eines anderen als deines gewohnten Lehrers trainieren. Darüberhinaus solltest du gegenüber den anderen Lehrern aufgeschlossen sein. Gib ihren Ideen und Taktiken während des Trainings einen Vertrauensvorschuß und halte Ausschau nach den Erfahrungen, die sich von dieser Warte aus auftun. Das heißt nicht, daß du das kritische Verständnis, das du dir so hart erarbeitet hast, aufgeben mußt. Vielmehr bedeutet es offen für eine neue Erfahrung zu sein, so daß du etwas hast, das du mit nach Hause nehmen kannst um daraus ein Werkzeug zu schmieden. Später kannst und solltest du dann das Material/den Ansatz prüfen. Vergleich es mit dem, was du bisher gelernt hast, und schau welche Lehren du daraus ziehen kannst, indem du es durch deine gewohnten Filter sickern läßt. Du solltest herausfinden, was für dich funktioniert und zu dir und deinen Zielen paßt. Dafür mußt du aufgeschlossen genug sein, um neue Informationen aufzunehmen. Diese Informationen kannst du dem bisher Gelernten einfach hinzufügen, sie verändern oder mit ihnen das bisher Gelernte weiter untermauern.

DENKE ÜBER DEIN TRAINING NACH
Warum hast du es begonnen? Noch wichtiger, was erwartest du dir Heute davon? Manchmal nehmen wir Gewohnheiten an, die uns einem bestimmten Ziel näherbringen sollen und behalten sie einfach aus Trägheit bei, obwohl das Ziel längst erreicht oder nicht mehr aktuell ist. Frage dich selber, welcher Bereich des Trainings dich am meisten packt. Wenn dir die Kampfkunst keinen Spaß macht, schränkst du deine Entwicklung ein. Welche Bereiche des Trainings machen dir Angst? Höchstwahrscheinlich sind das genau die Bereiche, die inneren oder äußeren Problemen gegenüberstehen, die dich tief berühren. Diese Bereiche solltest du dir genau ansehen. Finde heraus, was dich stört und laß dich von der Reaktion nicht abschrecken. In welchem Bereich des Trainings verbringst du die meiste Zeit? Ist das so momentan am effizientesten? Oder vermeidest du Herausforderungen? Und was möchtest du in einem Jahr erreicht haben? In drei Monaten? In einem Monat? Indem du dich selber analysierst und einschätzt, kannst du dein Training auf den größtmöglichen Nutzen ausrichten ­ ob es dir um inneren Frieden, um Selbstverteidigung, oder einfach nur um Spaß geht. So wie du fast am ersten Tag deines Trainings in dieser Kunst gelernt haben solltest: Nichts passiert, solange du es nicht anpackst. Das Interesse für etwas wachzuhalten erfordert Offenheit und Aufwand. Du mußt deinen Verstand gebrauchen. Wenn du immer nur von einer Sache zur nächsten springst, während dein Interesse langsam schwindet, gerätst du wie ein Tier in die Falle. Beobachte mit deinen Augen, deinem Kopf und deinem Herzen. Dann wirst du den Reichtum, der vor dir liegt, entdecken.
Der Abdruck dieser Übersetzung geschieht mit freundlicher Genehmigung von Jason Bell. Das Original dieses Artikels erschien in dem kostenlosen on-line Newsletter »URA & OMOTE« (Vol. 2, No. 11, November 1996) von Liz Maryland Hiraldo (Ashidome@aol.com). Eine vorläufige Version des Artikels erschien in Stephen K. Hayes »MUSUBI JOURNAL« (Volume 20, No. 4, April 1996). Jason Bell ist Schauspieler und lebt in New York. Er ist Lehrer bei »NEW YORK BUDO«, das unter der Leitung von Jean-Pierre Seibel steht. Für Kommentare ist der Autor unter der folgenden Adresse zu erreichen: Jason Bell, c/o New York Budo, 12 West 27th Street, 4th Floor, New York, New York 10001-6903.


Bodyguard: Beschützen einer dritten Person
Olaf Schawe, DOJO 2000 Münster

Dem Begriff Bodyguard (englisch, Leibwächter) haftet mittlerweile ein so negatives Images an, daß der Ausdruck Beschützer viel treffender und für unser Verständnis logischer erscheint. In den USA hatte ich die Möglichkeit, Einblicke in die Arbeiten des Beschützers zu bekommen, Prinzipien zu lernen und anzuwenden. Ich begleitete Stephen K. Hayes zu mehreren "Details", um die Sicherheit des 14. Dalai Lama von Tibet während seiner Besuche in den Vereinigten Staaten zu gewährleisten. Bei einem Detail (englisch, Einzelheit) wird jede Bewegung des "Protectee" (englisch, des zu Schützenden) bis in jede Einzelheit geplant. Diese Planung erfolgt meistens schon Monate bevor der Gast überhaupt seine Reise antritt. Situationen werden durchgespielt und Kontakte zu örtlichen Behörden (Flughafen, Polizei, usw.) sind unerläßlich, um alles, d.h. jede Einzelheit zu koordinieren und damit einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Die Kunst dabei ist, innerlich konzentriert und ruhig zu bleiben, damit nicht in jedem plötzlich ein Attentäter gesehen wird.
Auch im alltäglichen Leben entstehen Situationen, in denen die Prinzipien des Beschützers angewandt werden können. Zum Beispiel die Auswahl des Sitzplatzes in der Öffentlichkeit (Restaurants, Ämter,...) ist eine der Grundlagen, sich weniger Gefahren auszusetzen. Der Tisch in der Ecke mit Blick zur Tür ist dem in der Mitte vorzuziehen. Von hier aus hat man den Überblick und kann notfalls rechtzeitig handeln und sich zurückziehen. Weite Treppen statt enge Fahrstühle ohne Ausweg, Schwing- statt Drehtüren, die als Mausefalle zuschnappen können, belebte Hauptstraßen statt einsame Nebenstraßen und weiter Blick nach vorne statt Tunnelblick zum Boden sind einige der Fähigkeiten, die zum wachsamen Menschen und zum Beschützer gehören.
Um das ganze spannender zu gestalten, bietet es sich an, Eltern, Verwandte, Partner oder Freunde als Beschützer zu begleiten. Es bleibt einem selbst überlassen, ob der zu Beschützende informiert wird oder nicht. Dieser wundert sich höchstens über den äußerst galanten und zuvorkommenden Begleiter. In Wirklichkeit trainiert der Begleiter seine Beschützer-Fähigkeiten. Dabei kann er sich gut auf sein Gefühl verlassen und sich zwischen den zu Beschützenden und andere Personen schieben. Hier ist sanftes Taijutsu gefragt, da nicht jeder, der zufällig den Weg versperrt niedergeschlagen werden kann. Da wäre der Beschützer nicht lange unterwegs, bis er von der Polizei "eingesackt" würde. Geschicktes Timing und Positionieren steuert den zu Beschützenden und die fremden Personen ganz natürlich aneinander vorbei, ohne daß irgendeiner bemerkt, daß sein Weg gelenkt wurde. So hält man Fremde fern, ohne Aufsehen zu erregen. Nach längerer Anwendung stellt sich ein Bewußtsein ein, mit dem die Bewegungen der Personen vorauszusehen sind. Damit wird das Beschützen noch einfacher und spannender. Bleibt kaum noch zu erwähnen, wie sich diese Übung auf Euer TAIJUTSU auswirken wird. Hier besteht die Möglichkeit nicht nur im DOJO zu trainieren, sondern sich auch im Alltag zu verbessern. Also ich denke viele von Euch werden sich nun den Einkaufsbummeln der Zielpersonen anschließen, und sich dem Beschützen widmen. So wird aus dem Langweilen ein aufregendes und lehrreiches Training. Viel Spaß!!! P.S.: Wenn Ihr noch Fragen habt, meldet Euch doch bei mir...


Der NINJA, der durch die Luft geht
von Masaaki Hatsumi, aus einer alten spanischen Budo-Zeitschrift von 1984 übersetzt
überarbeitet von Michael Korbl, DOJO YAMANEKO, Mainz

In allen Kampfkünsten, besonders im Ninpo, ist der Aspekt der Bein- und Fußarbeit äußerst wichtig. So schreibe ich über althergebrachte Methoden. Niemand ist erfreut über die Kälte, auch nicht der Ninja, und so trug er zu jeder Jahreszeit Tabis, die japanischen Socken, welche die Füße warmhalten.
Die Füße sind der Schlüsselpunkt, um den Körper warm zuhalten und die Gesundheit zu erhalten. In der asiatischen Medizin gibt es die Aussage "ZUKAN SO KUNETSU", welche soviel bedeutet wie "Halte den Kopf kühl und die Füße warm." Das ist essentiell, um die Gesundheit zu erhalten und bei Krankheit die Genesung zu unterstützen.
Zur Verstärkung der 'Mannhaftigkeit' und dem Erhalt des Wohlbefindens massierten die Ninjas ihre Füße, indem sie die drei ersten Zehen ergriffen und drehten bzw. kreisten. Auch die Kunoichi praktizierten diese Methode, um ihre Gesundheit zu verstärken. Sie ist gut für die Leber, die Bauchspeicheldrüse und die ganzen Eingeweide. Die unterschiedlichen Massagemethoden beinhalten das Reiben der Zehenspitzen, um eine gute Durchblutung zu fördern und die Systeme energetisch auszugleichen.
Die Ninja warfen harte Erbsen auf den Boden und trainierten auf ihnen. Das unterstützte die Fußmassage und härtete ihre Füße gleichzeitig ab. Fortgeschrittene Ninja lernten den Gang auf der HISHI, der Wassernuß, ohne sich zu verletzten. Das war nur möglich, weil sie nicht nur ihre Füße abgehärtet hatten, sondern weil sie mit perfektem Gleichgewicht und höchster Leichtigkeit zu Laufen gelernt hatten. Das Gewicht wurde dabei so verteilt, daß sie die stechenden Unebenheiten kaum berührten.
Laufen ist eine exzellente Lektion. Man kann es überall und jederzeit praktizieren. Wenn ich jeden Tag mit meinen drei Hunden spazieren gehe, laufen wir immer auf verschiedene Arten. Mal schneller, mal langsam, mal nur kurz oder durch unebenes Gelände. Eine gute Art zu üben.
Auf der Straße ergibt sich manchmal die Gelegenheit, eine Katze oder etwas anderes, was die Aufmerksamkeit der Hunde erregt, zu treffen. Immer laufe ich mit Voraussicht und halte die Kontrolle über die Hunde. Niemals verliere ich das Gleichgewicht durch ein schnelles Ziehen einer der Hunde. Auch achte ich darauf, daß die Leinen sich nicht vermischen oder verknoten.
Vor Zwei Jahren gab ich ein Seminar in Dayton/Ohio. Die Mehrzahl der Studenten bewegten sich wie 'Frankenstein' und nicht wie wahre Kampfkünstler. Sie empfanden kurze schnelle Schritte als äußerst schwierig. Viele dachten, daß ich besonders schnell laufe, aber ich erklärte ihnen, daß in Japan die Füße als das 'zweite Herz' betrachtet werden, und ein starkes Herz zu haben, bedeutet, einen starken Geist zu besitzen. Und so entwickelt der Ninja beim Laufen auch seinen Geist.
Laufen ist das wichtigste im Leben. Besonders im klassischen "NO" wird es so empfunden. Wenn man wie ein Ninja läuft und die Methode des Laufens stark entwickelt ist, scheint es, daß die Füße beim Laufen nie den Boden berühren. Es ist dann so, als ginge der Ninja durch die Luft.
Einer meiner Schüler, der eine meiner Demonstrationen beobachtete, sagte: "Sensei, ihre Füße berühren gar nicht den Boden. Es scheint so, als ob sie durch die Luft fliegen." Ein anderer Student, der ein professioneller Soldat war und auch am Krieg teilgenommen hatte, sagte, daß in seinem Land immer die Beine trainiert werden und daß er die Treppen anstelle der Aufzüge benutze. Als ich das hörte, wußte ich, daß er ein guter Kämpfer war.